Paywalls und Registrierungspflicht bei Online Medien

Januar 2020

Im Laufe des 2020 wollen die vier grossen Medienunternehmen Ringier, Tamedia, NZZ und CH Media ihr gesamtes Onlineangebot nur noch mit einem Login zugänglich machen.

Ringier, Tamedia, NZZ, CH Media und SRG haben sich zu einer sogenannten Log-in-Allianz zusammengeschlossen. Die Medienhäuser haben sich zum Ziel gesetzt, im Laufe des Jahres 2020 eine Registrierungspflicht für ihre Informationsangebote einzuführen.

Log-in mit E-Mail und Passwort

Zunächst geschieht dies noch auf freiwilliger Basis, indem Besucher_innen der Online-Medienportale aufgefordert werden, sich einmalig zu registrieren, wenn sie kostenlose Artikel lesen möchten. Einmal registriert, erhält man auch Zugang zu den Gratis-Angeboten der Partnermedien. Die SRG ist zwar auch Teil der Allianz, als öffentlich-rechtliche Unternehmung darf sie ihre Angebote, die mit der Abgabe für Radio und Fernsehen mitfinanziert werden und zum Service public zählen, nicht unter eine Registrierungspflicht stellen. Möglicherweise wird sie im Verlaufe des 2020 ein freiwilliges Login einführen. CH Media hat zudem angekündigt, dass sie im Laufe des 2020 auf all ihren Newsportalen eine Bezahlschranke einführen will. Einzelne, wenig aufwändige Artikel sollen trotzdem kostenlos bleiben.

Die Registrierung auf ihren Portalen soll gemäss der Log-in-Allianz einfach bleiben. So sind nur eine E-Mail Adresse und ein Passwort notwendig. Die Daten der Nutzer_innen werden unter den Verlagen nicht geteilt, versprechen die Medienhäuser.

Werbeeinnahmen dank passgenauen Angeboten

Durch die Pflicht zur Registrierung wollen die Verlage genauere Angaben zum Verhalten der Nutzer_innen und deren Vorlieben erhalten. So lassen sich Werbemassnahmen besser steuern, und Angebote gezielter ausrichten. Damit wollen sie ihre Position gegenüber den amerikanischen Technologie-Giganten wie Google oder Facebook stärken, die nicht zuletzt dank personalisierter Werbung erfolgreich sind. Denn heute fliessen hierzulande rund drei Viertel aller Werbeausgaben im Internet in diese Grossunternehmen in den USA. Nur ein Viertel verbleibt in der Schweiz und ermöglicht es den Verlagen, dieses Geld in den Journalismus zu investieren. Die CH Media wiederum begründet die Einführung von Bezahlschranken damit, dass guter Journalismus etwas kosten dürfe und nachhaltig finanzierbar bleiben solle.

Das Sammeln von Nutzer_innen-Daten mittels Cookies hat sich für die Medienportale als unbefriedigend erwiesen. Ohne aktive Einwilligung der Nutzer_innen ist das Platzieren von Cookie-Dateien nicht möglich. Zudem blockieren einige neue Browser die Cookiedateien oder löschen sie nach einiger Zeit automatisch. Das macht es schwierig, die Besucher_innen wiederzuerkennen, um die Werbung passgenau auszurichten.

Es gibt aber auch Medien, die bei der Registrierungsallianz nicht mitmachen. Dies sind zum Beispiel Watson, Nau oder das Newsportal von Bluewin sowie einzelne alternative Medien. Watson begründet ihr Ausscheren damit, dass die Marke Watson bewusst digital lanciert worden sei und dies das implizite Versprechen ‚Content is free‘ mitbringe. Dieses Versprechen zu brechen, würden ihre Leser_innen nicht verstehen und es würde der Grundidee von Watson widersprechen.


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