Gefährdung des Kindeswohls bei hochkonflikthaften Trennungen

Juli 2019

Hochstrittige Eltern gefährden mit ihrem Verhalten ihre Kinder. Die Wahrung des Kindeswohls ist in diesen Fällen eine besondere Herausforderung für Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden.

Im Tagesanzeiger erschien unlängst ein Bericht von einem geschiedenen Vater, dem das Recht auf persönlichen Verkehr mit seinen Kindern nach mehrjährigen Sorgerechtskonflikten zwischen den Eltern durch die Kesb entzogen wurde. Die Kesb begründete ihren Entscheid damit, dass das Kindeswohl nicht (mehr) anders geschützt werden könne. Die Kinder hatten sich gegen weitere Besuche beim Vater ausgesprochen.

Ein Kontaktabbruch zu einem Elternteil ist jedoch genauso schädlich für das Kindeswohl. Die Kindesschutzorganisation Schweiz (kisos) weist darauf hin, dass Kontaktabbrüche zu einem Elternteil nach einer Trennung für Kinder traumatisch wirken. Es kann schlimmer sein, als einen Elternteil durch Tod zu verlieren. Diesem Aspekt wird in der gängigen Gerichtspraxis jedoch noch zu wenig Beachtung geschenkt. Und auch Behörden oder Gutachter seien noch nicht genügend sensibilisiert. Die Kindesschutzorganisation gibt deshalb in ihrer Broschüre 'Loyalitätskonflikte und Eltern-Kind-Entfremdung' Empfehlungen an Behörden und Eltern ab, um solche Entwicklungen frühzeitig zu verhindern (2017).

In erster Linie geht es darum, von Anfang an von den Eltern ein kooperatives und respektvolles Verhalten einzufordern. Wenn immer möglich sind Massnahmen wie eine Mediation einzusetzen, damit Eltern autonom einen Weg finden, um ihre Kinder zu schützen. Wenn dies aber nicht möglich oder erfolgreich ist, müssen direktivere Massnahmen eingeleitet werden, um Machtspiele zwischen den Eltern zu unterbinden.

Wir haben Fachliteratur zum Thema gesammelt.

Kinder aus der Klemme

Interventionen für Familien in hochkonflikthaften Trennungen

Nach einer Trennung leiden Kinder besonders, wenn es Eltern nicht gelingt, einen konstruktiven Weg einzuschlagen. Trauer, Verletzungen und Enttäuschungen sind der Nährboden für nicht enden wollende Konflikte, in denen die Kinder zwischen die Fronten, in einen Loyalitätskonflikt und überhaupt aus dem Blick geraten. Sie stecken in der Klemme. Justine van Lawick und Margreet Visser haben mit ihrem Programm „Kinder aus der Klemme“ einen neuen Weg für diese Familien gefunden. Sie arbeiten im Multifamiliensetting mit zwei parallelen Gruppen: einer Elterngruppe und einer Kindergruppe. Statt auf die Fehler und Verletzungen des anderen Elternteils wird der Blick wieder auf die Kinder gerichtet. 

Hocheskalierte Elternkonflikte nach Trennung und Scheidung

Einführung in die Beratung von Eltern bei Hochstrittigkeit

Das vorliegende essential ist ein Praxisbuch, das in kurzer, prägnanter Form wesentliche Grundlagen und Eckpunkte der Beratung mit hochstrittigen Eltern und Familien beschreibt. Es werden die Ursachen zur Entstehung von hochkonflikthaften Nachtrennungsfamilien beleuchtet, um ein Verständnis für die emotionale Verfassung der beteiligten Familienmitglieder zu ermöglichen. Der Blickwinkel ist dabei systemisch orientiert und bezieht die Herausforderungen aus verschiedenen familiären Rollenperspektiven mit ein. Weiterhin werden begünstigende Rahmenbedingungen für Beratung sowie Interventionsmöglichkeiten für Eltern und Kinder vorgestellt.

Lösungsorientierte Begutachtung als Intervention bei hochstrittiger Trennung und Scheidung

Seit der FamFG-Reform im Jahr 2009 werden von den Familiengerichten gemäss §163 Abs. 2 FamFG in Sorge- und Umgangsfragen zunehmend lösungsorientierte Begutachtungen in Auftrag gegeben, um auf ein elterliches Einvernehmen hinzuwirken. Die vorliegende empirische Untersuchung geht den Fragen nach, wie eine lösungsorientierte Begutachtung in der Praxis gehandhabt wird, wodurch dabei ein elterliches Einvernehmen erzielt werden kann und welchen Effekt ein solch erwirktes Einvernehmen auf die Familien langfristig hat. Hierfür wurden sowohl betroffene Eltern als auch deren Sachverständige zu ihren jeweiligen Erfahrungen mit dieser noch jungen Intervention für hochstrittige Trennungspaare befragt.

Hochkonflikthafte Trennungsfamilien

Forschungsergebnisse, Praxiserfahrungen und Hilfen für Scheidungseltern und ihre Kinder

Dieser Band trägt neueste Forschungserkenntnisse über hoch konfliktbelastete Scheidungsfamilien und ihre Kinder zusammen, erläutert die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen und zeigt Möglichkeiten der Diagnostik und Intervention bei solchen Familien auf. Aus der Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen zeigt er Wege auf, angemessener und erfolgversprechender auf Hochkonfliktfamilien einzugehen. 

Beratung von Hochkonflikt-Familien

Im Kontext des FamFG

Dieser Band geht auf die Diskussionen einer Expertengruppe der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) zur Beratung im Kontext des FamFG zurück. Die Beiträge beleuchten die Besonderheiten der Beratung von Eltern in Hochkonfliktfamilien, geben Orientierung für die Unterstützung der betroffenen Kinder, formulieren Bedingungen der Kooperation der Institutionen und beschreiben notwendige Haltungen der Beraterinnen und Berater. 

Trennungsfamilien - Lösungsorientierte Begutachtung und gerichtsnahe Beratung

Scheidungen und Trennungen stellen für Eltern und Kinder fast immer eine belastende Situation dar. Psychologische Intervention zielt gerade bei hochkonflikthaften Trennungen primär auf Nachscheidungsregelungen für die Kinder, womit sie auch Anliegen des aktuellen Familienrechts entspricht. Dieser Band stellt ein Interventionsmodell für eine lösungsorientierte Begutachtung und gerichtsnahe Beratung bei der Arbeit mit Trennungsfamilien vor. Aus einer systemischen Sichtweise heraus werden zunächst der Wandel der Familie und gesellschaftlicher Vorstellungen in den letzten Jahrzehnten betrachtet, familiengerichtliche Streitgegenstände vor dem Hintergrund aktueller psychologischer Forschung diskutiert und die Rolle von Psychologie im Familienrecht kritisch analysiert. 

Lösungsorientierte Beratung mit getrennten Eltern

Ein Praxishandbuch

Wenn Eltern minderjähriger Kinder sich trennen, sind Konflikte vorprogrammiert, die oft sehr emotional und kontrovers ausgetragen werden. Doch wie finden zerstrittene Eltern zu individuell passenden Lösungen für die Neuorganisation der Familie? Beraterinnen und Berater sind herausgefordert, einen hilfreichen Prozess in Gang zu setzen, in dessen Ergebnis die getrennten Eltern wieder mehr Selbstwirksamkeit und Autonomie erlangen. Das Praxishandbuch bietet eine Vielzahl konkreter Interventionsvorschläge und ausführliche Fallbeispiele für den gesamten Beratungsprozess von der Anmeldung bis zum Abschluss.

Das elterliche Entfremdungssyndrom (Parental Alienation Syndrome /PAS)

Anregungen für gerichtliche Sorge- und Umgangsregelungen. Eine empirische Untersuchung

Die Frage, ob Kinder, die unter dem Syndrom der Eltern-Entfremdung (Parental Alienation Syndrome - PAS) leiden, auf Anordnung des Gerichtes beim entfremdeten Elternteil wohnen bzw. diesen besuchen sollten, ist ein wesentlicher Streitpunkt unter Juristen und Fachleuten für psychische Gesundheit.Die vorliegende Verlaufsstudie des amerikanischen Kinderpsychiaters Prof. Dr. R. A. Gardner beschreibt 99 PAS-Fälle bei denen der Autor unmittelbar involviert war. In diesem Zusammenhang kam er zu dem Schluss, dass das Gericht den Umgang mit dem entfremdeten Elternteil oder den Hauptwohnsitz des Kindes anordnen sollte. 

Kindeswohl und Kindeswille in hochstrittigen Trennungs- und Scheidungssituationen

2011

Zahlen aus der Forschung belegen, dass ca. 10% der Scheidungsfamilien mit minderjährigen Kindern über Jahre hinweg durch schwerwiegende Konflikte belastet sind. Hochstrittige Elternkonflikte stellen das höchste Risikopotential für die Entwicklung der betroffenen Kinder dar. Die Arbeit geht der Situation von Familien und Kindern nach, die nachhaltig im Trennungskonflikt verstrickt bleiben. Sie beantwortet die Frage, wo und ob die Soziale Arbeit mit den gesetzlichen Kindesschutzmassnahmen Möglichkeiten hat, den eskalativen elterlichen Konflikt zu reduzieren und eine Kooperationsbereitschaft bei den Eltern im Sinne des Kindeswohls wieder herbeizuführen. 

Wenn hochstrittige Eltern in die Mediation müssen

Eine Theoriearbeit zu Rahmenbedingungen, Setting und Vorgehensweisen bei angeordneten Mediationen im zivilrechtlichen Kindesschutz

Die hier vorliegende Theoriearbeit befasst sich mit der Arbeit mit hochstrittigen Eltern in der angeordneten Mediation im zivilrechtlichen Kindesschutz. Dabei wird versucht, im Sinne einer Art Sondierung in einem noch wenig untersuchten Feld, aus Studien und einschlägiger Literatur zu den Themen Hochstrittigkeit, Zwangskontext, Scheidungs- und Trennungsmediation sowie angeordnete Mediation herauszuarbeiten, welche Rahmenbedingungen und Settings für diese Arbeit förderlich sind.

Hochstrittige Trennungseltern in Zwangskontexten

Evaluation des Elternkurses Kinder im Blick

Eliane Retz untersucht die Wirksamkeit des Elternkurses „Kinder im Blick“, der die TeilnehmerInnen in ihrer Trennungsbewältigung unterstützt. Sie geht der Frage nach, inwieweit Eltern in hochkonflikthaften Trennungssituationen von „Kinder im Blick“ profitieren, insbesondere dann, wenn die Teilnahme daran aufgrund einer gerichtlichen Auflage erfolgt. Neben der Frage der Wirksamkeit von sog. Zwangskontexten konnten fünf verschiedene Typen hochstrittiger Elternschaft in ihrer speziellen Problematik, aber auch mit ihren jeweiligen Ressourcen und Bewältigungsstrategien identifiziert werden, sodass die Frage nach Verläufen hochstrittiger Elternschaft nach Trennung einen weiteren Schwerpunkt darstellt.

Glückliche Scheidungskinder

Getrennt leben – gemeinsam für das Wohl der Kinder sorgen

Doch, es ist möglich: glückliche Scheidungskinder. Das ist die ebenso klare wie wichtige Botschaft von Remo Largo und Monika Czernin: Auch nach einer Trennung können die Eltern gut für das Wohl ihrer Kinder sorgen und sie für die Herausforderungen des Lebens stärken. Im Mittelpunkt des Buches steht dabei der Leitgedanke einer »unkündbaren Elternschaft«. Ob getrennt oder zusammen, alleinerziehend oder in einer Patchworkfamilie. Wie eine solche unkündbare Elternschaft gelingen kann, zeigt dieses Buch.


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