Hate Speech in Online-Foren

Oktober 2019

Diskriminierende und beleidigende Kommentare in Online-Plattformen gehören immer mehr zur Tagesordnung. Sollen wir das einfach akzeptieren?

Gehässige und ausfällige Kommentare in sozialen Medien und in Onlineforen nehmen stetig zu. Besonders betroffen sind Frauen und Jugendliche, aber auch Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Diese sind zunehmend mit strafrechtlich relevanten Drohungen und Beschimpfungen konfrontiert.

Wir haben zu verschiedenen Aspekten des Themas Beiträge zusammengetragen, unter anderem auch zu Ansätzen in der Sozialen Arbeit.

Was tun Hasskommentare mit uns?

Warum wirken Online-Plattformen enthemmend? Was tun diskriminierende Kommentare mit der schweigendenden Mehrheit? Und was ist das Gefährliche an solchen Kommentaren?

Initiativen gegen Hate Speech

Wütende und herabwürdigende Kommentare zu ignorieren, scheint kein wirksames Mittel zu sein, um Täter und Täterinnen im Netz zu stoppen. Bewährt hat sich hingegen, sich gezielt gegen Beschimpfungen zu wehren, indem man sich mit den Opfern solidarisiert oder Beschimpfende auf Anstandsregeln hinweist. Bei strafrechtlich relevanten Kommentaren sollte eine Anzeige in Betracht gezogen werden.

Im Projekt „Stop Hate Speech“ von alliance F mischen sich Freiwillige in Online-Debatten ein. Das Projekt hat einen Algorithmus entwickelt, der Hasskommentare im Netz aufspüren soll. Freiwillige engagieren sich und helfen mit, den Algorithmus weiter zu  entwickeln.

Eine weitere zivilgesellschaftliche Gruppe rund um die ehemalige Zürcher Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin bietet Beratung für Betroffene an und engagiert sich unter dem Namen #NetzCourage.

Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit

Der Verein Humanrights hat in einem Dossier zusammengetragen, wie Hate Speech aus rechtlicher Sicht beurteilt werden muss. Das heutige Recht ermöglicht es, gegen Beschimpfungen vorzugehen. Um Hate Speech jedoch konsequent eindämmen zu können, müssten noch einige Gesetzeslücken geschlossen werden.

Weiter hat die Stadt Zürich eine Online-Polizei eingerichtet, die sich in Diskussionen auf Online-Foren einmischt und präventiv tätig ist.

Digitaler Faschismus

Radikale politische Positionen, Propaganda und Populismus gedeihen in sozialen Medien besonders gut. Weshalb dies so ist, welche Strategien extremistische Gruppen verfolgen und welche Phänomene sie sich zu Nutze machen, hat die deutsche Studie „Digital Fascism: Challenges for the Open Society in Times of Social Media“ untersucht.

Interessant ist auch das Interview mit Julia Ebner, die undercover unter Rechtsradikalen und Islamisten recherchiert hat oder das Interview mit Extremismusforscher Jakob Guhl.

Aufsuchende Sozialarbeit online

Längst ist das Thema auch in der Sozialen Arbeit angekommen. Aufsuchende Sozialarbeit will dorthin gehen, wo sich ihre Klient_innen aufhalten, also auch in den virtuellen Raum. In Deutschland gibt es ein Projekt, das unter anderem als 'Online-Streetwork' tätig ist.

EKR

«Hassreden sind eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie»

Interview mit Françoise Tulkens, ehemalige Richterin und Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte

Françoise Tulkens war von 1998 bis 2012 Richterin, dann Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Während ihrer Amtszeit in Strassburg befasste sie sich unter anderem mit dem wachsenden Problem der Hassreden. Was ist eine Hassrede? 

SSOAR

Wie gefährlich ist der Hass im Netz? Wirkungen von Hasskommentaren gegen Geflüchtete auf das prosoziale Verhalten von Rezipierenden

Inzivilität in Nutzerkommentaren kann sich negativ auf die Einstellungen von Rezipierenden auswirken. Inwieweit solche Kommentare auch das reale Verhalten der Lesenden beeinflussen, ist bislang weitgehend ungeklärt. Die vorliegende Studie untersucht deshalb die Auswirkungen von Hasskommentaren unter journalistischen Artikeln über Geflüchtete auf das prosoziale Verhalten von Rezipierenden.

Europarat, Council of Europe

Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Hassreden im Internet haben 2014 zugenommen

Jahresbericht der Antirassismus-Kommission des Europarates

Vor dem Hintergrund des Konfliktes im Nahen Osten, islamistischer Gewalttaten und beispielloser Massenankünfte von Migranten stellt der heute veröffentlichte Jahresbericht der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) als wichtigste Entwicklungen im Jahr 2014 eine starke Zunahme von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Hassreden im Internet und fremdenfeindlichen politischen Äußerungen fest.

Betrifft Mädchen 1/2018 - Hate Speech

Sprache wirkt. Oder: Wie Sprechen, Anerkennung und Gewalt zusammenhängenVon der An- und Abwesenheit (medialer) Subjekte und der Wirkung von verletzender Sprache - Performativitätsund medientheoretische Überlegungen zu 13 Reasons WhyAntimuslimischer Rassismus aus psychologischer Sicht - Die psychische Gesundheit von Muslim_innen im Kontext von antimuslimischem RassismusWeil ich ein Mädchen bin: Formen und Folgen von geschlechterbezogenem Hate SpeechHate Speech & GenderHate Speech gegen Feminist_innen und FeminismusHate Speech und Soziale Medien - Einwände gegen die ordnungspolitische Aufladung des eigensinnigen Konflikthandelns von Jugendlichen.


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