Immer die schlechtere Alternative: Gewalt in der Erziehung

Februar 2020

Gewalt gegenüber Kindern ist nach wie vor Teil der hiesigen Erziehungskultur. Bei der Prävention von Körperstrafen und anderweitiger elterlicher Gewalt hat die Schweiz Nachholbedarf.

Ungefähr die Hälfte der Eltern in der Schweiz wendet ihren Kindern gegenüber physische Gewalt an. Bei psychischer Gewalt sind es sogar zwei Drittel. Das sind die Resultate einer Untersuchung der Universität Fribourg aus dem Jahr 2017. Auch eine Studie der ZHAW von 2018 zeigte, dass eine Mehrheit der Befragten elterliche Gewalt in der Erziehung erlebt hatte.

Entwicklungsbedarf trotz höherem Problembewusstsein

Im Vergleich mit Zahlen aus dem 1990 hat sich die Anwendung von Gewalt zwar verringert. Das Problembewusstsein ist im Vergleich mit früheren Untersuchungen grösser geworden. Auch der Anteil der Eltern, die physische Gewalt bewusst als Erziehungsmittel anwenden, ist gesunken. Die meisten  geben Überforderung und Stress als Ursachen ihres Handelns an.

Trotzdem glaubt noch immer ein Viertel der Eltern, das leichtere Formen von körperlicher Bestrafung wie etwa gelegentliche Ohrfeigen erlaubt seien. Noch schwieriger ist die Abgrenzung bei Formen psychischer Gewalt. Hier ist oft das Bewusstsein noch wenig ausgeprägt, dass passive Formen, wie etwa „das Ignorieren eines Kindes über längere Zeit oder Gesprächsverweigerung“ ebenfalls Gewaltanwendung ist, wie die EKKJ schreibt.

Erwachsene und Kinder stärken, Fachpersonen sensibilisieren

Die Schweiz hat in Bezug auf Gewaltprävention bei der Erziehung grossen Nachholbedarf. So fehlt es an einer gesetzlichen Grundlage, die elterliche Gewalt klar verbietet. Diese würde nicht nur ein Zeichen setzen für eine gewaltfreie Erziehungskultur, sondern auch einen klaren rechtlichen Rahmen für Präventionsmassnahmen schaffen.

Die EKKJ hat eine Reihe von Empfehlungen abgegeben, wie das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Schutz vor Gewalt in der Erziehung verankert und Umgesetzt werden kann. Nebst Informations- und Beratungsangeboten für alle Betroffenen zählen dazu auch die Sensibilisierung von Fachpersonen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, damit drohende oder bereits erfolgte elterliche Gewaltanwendung schneller erkannt werden kann. 

EKKJ

Das Recht auf eine Erziehung ohne Gewalt – Die EKKJ sieht dringenden Handlungsbedarf

Gewalt ist als Erziehungsmittel in der Schweiz auch heute noch verbreitet. Das bestätigen die Ergebnisse neuerer Studien. Auch wenn physische Gewalt weniger oft vorkommt als vor 25 Jahren, sind wie schon damals die jüngsten Kinder am meisten davon betroffen. Zudem geben 2/3 der befragten Eltern an, psychische Gewalt anzuwenden. 

Kinderschutz Schweiz

«Ideen von starken Menschen für starke Eltern - Es gibt immer eine Alternative zur Gewalt»

Meistens sind es alltägliche Situationen, die uns aus der Fassung bringen und eine unüberlegte Reaktion provozieren, die wir später bereuen. Probleme, Stress, Krankheit – die Liste der Sorgen ist lang. Und dann noch ein Kind, das nicht das macht, was man will. Solche Situationen kennen wir alle. Doch wie kann ich als Erwachsener die Situation für mich entschärfen und gelassener reagieren?


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