Biografisch-narrative Interviews für die Praxis nutzen



Fachseminarbeschrieb

Professionelle in der Sozialen Arbeit sehen sich zunehmend komplexen Fällen gegenüber. Angemessene Interventionen können bei solchen Fällen nur gelingen, wenn die problemverursachende Dynamik erfasst und verstanden wird. Biografisch-narrative Interviews sind hierfür eine wichtige und bewährte Methode, die viele Vorteile bietet.

Die Gestaltung nachhaltiger Problemlösungsprozesse mit Klienten und Klientinnen der Sozialen Arbeit, die sich in komplexen Problemlagen befinden, ist anspruchsvoll. Es gilt, unterschiedliche Lebensbereiche (z. B. Familie, Arbeit, Peersystem) wie auch mehrere Systemebenen (die soziale, psychische und biologische) zu berücksichtigen. Damit Professionelle der Sozialen Arbeit zusammen mit den Klientinnen und Klienten, deren Umfeld und weiteren Fachpersonen möglichst hilfreiche Interventionen planen und durchführen können, müssen sie die Ursachen der Probleme in ihrer Komplexität und Dynamik erfassen, analysieren und verstehen. Der Zugang zum Fall über biografisch-narrative Interviews eignet sich dazu ausserordentlich gut. Dies bestätigte sich in einem Entwicklungsprojekt, in dem die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW dieses Verfahren in Kooperation mit Praktikerinnen und Praktikern aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern erprobt hat. Das Verfahren schliesst an der aus dem Alltag bekannten Gesprächsform des Erzählens an (z. B. von den Ferien) und zeichnet sich durch eine maximale Offenheit und ein maximales Interesse an der Lebensgeschichte eines Menschen aus. Dies hat folgende Vorteile:

  • Die Methode setzt am Erfahrungswissen von Klienten, Klientinnen und Professionellen an. Sie kann daher relativ einfach erlernt und in den Berufsalltag integriert werden.
  • Die erhobenen Daten sind umfassend und eignen sich dazu, die problemverursachenden (bio-)psychosozialen Dynamiken und die gelingenden Anteile der Lebensführung eines Menschen in ihrem Zusammenspiel herauszuarbeiten.
  • Die Klienten und Klientinnen fühlen sich als ganze Person wahrgenommen und werden aktiv in das Erkunden ihres lebensgeschichtlichen Geworden-Seins eingebunden; dies fördert das Vertrauen in den/die Professionelle/n und das Sich-selbst-Verstehen als Ausgangspunkt für die Entwicklung realistischer Zukunftsvisionen, Zielsetzungen und Interventionen.

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Institutionnamen
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