Genealogie Zurück zur Hauptseite Genealogie/Ahnenforschung
Ursprung des Namens Bichsel und Wappen
Bis ins Hochmittelalter genügte
im deutschen Sprachgebiet, dass jemand lediglich einen Taufnamen besass. Im 13.
und 14. Jahrhundert stieg besonders in den Städten die Bevölkerungszahl,
weshalb alle Menschen einen passenden Beinamen erhielten. Wie Andreas Blatter (http://www.andreasblatter.ch)
und andere darlegen, lassen sich Familiennamen in fünf Hauptkategorien
einteilen:
Der Familienname Bichsel
- im Bürgerverzeichnis des Kantons Bern von 1798 gibt es auch Bichßel
– wird in der
Umgangssprache des Emmentals als „Bichsu“
genannt, wobei das Ch „kratzend“ im Hals gesprochen wird. Wohl aus diesem
Grund wird manchmal behauptet, Berndeutsch sei eine „Halskrankheit“. - Eine
neuere Deutung des Namens Bichsel zielt in folgende Richtung: Er stammt von Bichl
(Büchel, Pichl) ab, was bayrisch-österreichisch Hügel bedeutet und in der
Schweiz an verschiedenen Orten mit Bühl
oder Büel bezeichnet wird. Diese Ansicht wird durch den Umstand
unterstrichen, dass die Bexell ursprünglich
in einer Hügellandschaft in Südschweden wohnten und mit dem Ort Bäckseda in
Verbindung steht, was man mit „Hügelseite“
übersetzen kann (siehe nähere Ausführungen unter Bexell).
Wortbedeutungen – Exkurs über sprachliche Entwicklungen: Die Silben <beck>
und <bach> haben eine indogermanische Wurzel (Gruppe von Sprachen mit
stark übereinstimmender Formenbildung), nämlich <bheg> und bedeuten Wölbung
oder Biegung (eines Hügels oder eines Berges). Auf Schwedisch heisst heute Hügel
(oder Halde) backe (Skispringer gehen über einen Backen); die Wange wird in
unserer Mundart als Backe bezeichnet
und bei Arschbacke weiss wohl jeder, was damit gemeint ist. -beck ist nicht nur
eine ältere Ableitung für Bewohner von Ortsnamen auf -bach, sondern Beck(e)
wurde im Mittelhochdeutschen und noch heute in der Schweiz für Bäcker
gebraucht. Im 13. Jahrhundert hat der Franziskaner Berthold von Regensburg
beklagt, dass „luft für bröt“ verkauft wird, weil das Brot mit Hefe einen
„Bauch“ bekam. In Schweden heisst Bach bäck und in Dänemark wird der Hügel
mit bakke und der Bach mit baek bezeichnet. Damit verwandt ist auch das Wort
„Buckel“, denn wenn wir einen Buckel machen, krümmen wir den Rücken. Eine
Rückseite wird in Schweden mit baksida bezeichnet. –
Bei Wörtern wie Fuchs und
Dachs wird in der Schriftsprache das Ch wie ein X gesprochen, deshalb sind Bichsel
und Bexell auch sprachlich recht nahe verwandt.
Im Duden Familiennamen - erschienen im Jahr 2000 - kommen weder Bichsel
noch Bixel, Bechsel, Bexell, Buchsel oder Büchsler vor. Hingegen heisst es zu Bichel,
Bicheler: 1. Oberdeutsche Wohnstättennamen zu mittelhochdeutsch bühel
>Hügel<: wohnhaft an einem Hügel. 2. Herkunftsnamen zu den in Süddeutschland
und Oesterreich häufigen Ortsnamen Bichel, Bichl, Büch(e)l, Pichl. - Und zu Büchsel
wird ausgeführt: Berufsname zu
mhd. Bühselïn > kleine Büchse< für einen Drechsler (erscheint nicht überzeugend
und belegt zu sein, Anmerkung des Verfassers dieses Beitrags).
Die Formenvielfalt eines Namens hängt
einerseits von der jeweiligen Schreibweise und andererseits von der
landschaftlichen Prägung ab, und deshalb ändern sich Lautentwicklungen je nach
Gegend und Zeit. Von Rudolf von Tavel stammt der Satz: «Bärndütsch isch e
Sprach wie grobs Grien, aber o guethärzig wie nes alts Chilcheglüt.» Wörter
wie „Bigsel“, „Begsel“ oder "Bissell" tönen für emmentalische Ohren zu
geschliffen. Die verwandten Familiennamen der
Bichsel im Emmental wie Bixler (in Oberägeri/ ZG, Deutschland und Amerika),
Buxcel (in der Westschweiz, heute vor allem in Lausanne, teilweise auch in der
Deutschschweiz), Bicshel und Buchsel in Amerika sowie Büchsel im Elsass und
Deutschland, Büchsler (Büchseler),
Büxel und Butzel in Deutschland
sowie Bixel (und verwandte Schreibweisen) vor allem im Elsass - aber auch in
andern Ländern - wie auch Pichsel
in Deutschland und Pichl besonders in Oesterreich, in Deutschland und der
Schweiz) stammen deshalb aus andern Gegenden. Diese besonderen Formen des
Familiennamens haben sich offenbar entweder Emmentaler angeeignet, die im oder
nach dem 17. Jahrhundert aus dem Kanton Bern weggezogen oder aus der Schweiz
ausgewandert sind oder sie stehen teilweise in einem direkteren Zusammenhang mit
dem ursprünglichen Namen Bexell (oder
ähnlichen Namen) aus
dem hügeligen Südschweden (z.B. Pichl und verwandte Namen, in England Baxell
und Baxshell, die alle auf einen Hügel hinweisen).
Wie sich der Name
Bichsel wandeln konnte, zeigen
folgende Beispiele: Der Name Johann wird manchmal als Hans Bichsel bezeichnet
und kommt im familysearch von "The
Church of Jesus Christ of Latter-day Saints" auch unter dem Namen
Johannes Hans Buchsler vor. -
Johann Gottfried Bichsel, geb. 1722, hat sich nachweislich den Namen Büchsel
zugelegt. - Die Bichsel aus dem Emmental nannten sich im Elsass und in Amerika
teilweise nach der Auswanderung Bixel, Bixler
oder Buxel. Der Stammbaum von Hans Bichsel, von Eggiwil, geb. 1560, mit den
heute bekannten amerikanischen Linien ist im Internet unter http://home.att.net/~sewing1243/Bichsel.htm
abrufbar. Ausgewandert nach Amerika ist Hans, von Eggiwil, genannt John Bixler,
geb. 4.2.1700, offenbar nach dem Tod seiner ersten Frau. Seine Nachfahren (siehe
im Internet "John Bixler - 1700-1765 - Pioneer, Immigrant, Farmer" von
Agnes Bixler Kurtz) nannten sich teilweise auch Bish, Bicksler oder Pixler. Dazu kamen natürlich noch
ganz neue Namen, wenn weibliche Nachkommen den Namen ihres Mannes annahmen. -
Ausgewandert aus dem Berner Jura ist anfangs des 19. Jahrhunderts nach Amerika
auch Peter Bichsel, von Eggiwil, geb. 1.1.1795, welcher sich mit Verena Diller,
geb. 29.9.1800 verheiratete. Diese Familie behielt den Namen Bichsel in Amerika.
- Im Elsass tauchte nach Leslie Dumont-Gingelwein ein Jacob Buchsel, geb. um
1687, gest. 30.1.1758 auf, dieser wird auch von Généalogie Kaminske mit
Wohnort Walbourg/Elsass genannt. - Einen Michael Buchsel
erwähnt http://gw.geneanet.org/ um
1750, wohnhaft in Steinsetz/Elsass und im Buch "750 Jahre Gräfenhausen"
sind nach Manfred Härtel u.a. folgende Personen aufgeführt: 1680 Johann Conrad
Böchsel, 1708 Philipp Peder Büchsell, 1711 Johann Henrich Büchsel, 1719
Henrich Büchsel, 1742 Christian Bixel und 1759 Christian Bixel.
Nach A. Blatter soll angeblich der Name
Bichsel vom Werkzeug eines Berufs (Kat. 2.) abgeleitet worden sein, nämlich von
Bächsel, dem Hohlbein zum Bebauen
von Dachkänneln (Dachrinnen). Diese Ansicht ist nicht belegt und das
Bichsel-Wappen – nach Vorschlag des Staatsarchivs Bern - weist jedenfalls
nicht in diese Richtung.
Ein wesentliches Element der Wappen
der Emmentaler Bichsel und der Berliner Büchsel ist ein rötlicher
oder goldener Greif, welcher u.a.
schon 1784 auf einer Schliffscheibe [siehe unter „Direkte Vorfahren“ und auf
der Anfangsseite (ein sich aufbäumendes drachenähnliches Fabeltier - in der
griechischen Göttersage als heiliges Tier ein Begleiter des Apollo, also des
Gottes des Lichts, der Dichtung und Musik, der Heilkunde und Weissagung. Der
Greif kommt auch in der römischen
und romanischen Kunst vor; in den Mythen lebt er gerne auf einsamen Inseln, ist
immer schwer fassbar und geheimnisvoll und verschiedene Formen von Drachen gibt
es auch in der Bibel). Oder könnte der Drache im Wappen an die Drachenboote der
Wikinger erinnern? Die Wikingerzeit ging im 11. Jahrhundert zu Ende. Der Greif
als Tier der menschlichen Phantasie kommt in vielen Wappen von Familien, Städten
und Regionen vor, in Schweden beispielsweise in den Provinzwappen von Halland
und Småland (siehe Briefmarkenserien von Schweden unter http://www.h-u-m-rueegg.li/marken-no.htm).
In der Schweiz darf jedermann ein Wappen
führen und es besteht keine Pflicht zur Eintragung in einem öffentlichen
Register. Doch geniessen die Wappen wie die Namen den Schutz
der Persönlichkeitsrechte. In früheren Jahrhunderten liessen sich
einflussreiche Familien mit Vorliebe ein Wappen vom Kaiser oder einem König
bestätigen. Im Mittelalter war das Wappen ein Unterscheidungszeichen, welches
auf dem Schild der Ritter angebracht wurde. Als Schutz der Reiter verschwand er
um das Jahr 1375. Der Schild stellt aber nach wie vor einen wichtigen Teil des
Wappens dar. Die unterschiedlichen Stilrichtungen entsprechen dem jeweiligen
Zeitgeist. In der Wappenkunde machte er im 15. Jahrhundert dem Halbrundschild
Platz.
Bereits seit mehreren hundert Jahren
gibt es nachweislich in verschiedenen Gemeinden des Kantons Bern den
Familiennamen Bichsel, nämlich in Busswil
bei Melchnau (seit 1670), Eggiwil
seit 1560, Hasle bei Burgdorf seit ca.1500, Heimiswil seit 1754, Lützelflüh
seit 1591, Rüegsau seit 1699 und in Sumiswald
seit 1560. Aus jüngerer Zeit gibt es auch die Heimatorte Affoltern im Emmental und
Madiswil. Die Hauptlinien stammen
eindeutig von den Heimatorten Eggiwil, Hasle und Sumiswald, wobei der Ursprung
mit recht grosser Wahrscheinlich in Hasle bei Burgdorf war. Den Familiennamen
Bichsel findet man heute praktisch in der ganzen Schweiz. In den ehemaligen
Heimatorten wohnen jedoch anfangs des 21. Jahrhunderts nur noch in Affoltern im
Emmental, Eggiwil, Hasle-Rüegsau, Lützelflüh und in Sumiswald Familien mit
diesem Namen.
Beim schweizerischen Bürgerrecht
handelt sich in der Regel um den Ort, in dem ein Vorfahre der Familie in
männlicher Linie das Bürgerrecht
erworben hat, welches bis 1977 bei wirtschaftlichen Notlagen eine wesentliche
Rolle spielte. Seither ist bei Bedürftigkeit, d.h. wenn jemand seinen
Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
bestreiten kann, in der Regel der Wohnkanton bzw. die Wohngemeinde zuständig.
Schweizerinnen und Schweizer können weder aus dem Heimatkanton noch aus der
Schweiz ausgewiesen werden. Heute wird das Bürgerrecht entweder zufolge
Abstammung, Adoption, Heirat oder durch Einbürgerung erworben.