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Gemeinde Sumiswald und ihre Geschichte

Unsere Vorfahren sind eng mit dem Emmental verbunden, worauf schon der HeimatWappen/arm of Sumiswaldort Sumiswald im Amtsbezirk Trachselwald hinweist. Der Ort liegt auf 700 m über Meer auf einer Terrasse über dem Tal der Grüne, die zur Emme fliesst. Das Dorf war einst eine Herrschaft mit eigenem Adel. Von 1225 - 1528 war Sumiswald eine sog. Kommende (Verwalter oder Amtsträger) des Deutschritter-Ordens. Die Aufgabe der Ritter war: Das Land zu schützen, Kranken und  Bedürftigen zu helfen und - zu beten! Ihr Wappen: Schwarzes Kreuz auf weissem Grund. Der Orden geht auf den  Barbarossa-Kreuzzug (bewaffnete Pilgerfahrt ins Heilige Land) zurück. Die Pilger aus Deutschland errichteten 1190 in Akkon in Galiläa ein Zelthospital und pflegten Kranke und Verletzte. Der feierliche Ritterschlag erfolgt heute durch den Ordensoberen im Rahmen einer heiligen Messe.  

Freiherr Lütold von Sumiswald hat 1225 seine Ländereien dem Deutschen Ritterorden mit der Verpflichtung geschenkt, in diesem Gebiet ständig zwei Priester zu halten und in einem noch zu erbauenden Hospiz - dem späteren Schloss „Spittel“, zugleich Gemeindepflegeheim - Pilger und Bedürftige zu beherbergen. Das heutige Alterszentrum Sumiswald AG, vorher Pflegeheim im alten Spital und noch früher  Siechenhaus bezeichnet, geht demnach auf diese Zeit zurück. Siech gehört zu Sucht und ist mit Seuche verwandt, was bis zum Mittelhochdeutschen einfach Krankheit bedeutete.  

Die weithin sichtbare Kirche von Sumiswald wurde von den Deutschrittern im alt-gotischen Stil im Jahre 1510 erbaut und ist noch heute das Wahrzeichen des Dorfes mit ihren wertvollen Glasgemälden (heutiges und früheres Dorfbild siehe unter http://www.sumiswald.ch ). - 1525 kaufte sich der Ort von der Leibeigenschaft los (Abhängigkeit der Bauern von einem Herrn, die mit bestimmten Abgaben und Frondiensten verbunden war). Seit dem 18. Jahrhundert ist Sumiswald ein Handwerkerdorf im Bezirk Trachselwald, der 1803  vom Kanton Bern geschaffen wurde.  Bekannt sind vor allem Wanduhren (Sumiswalder Pendulen) und Musikinstrumente.

Zur frühen Schweizergeschichte sei lediglich erwähnt, dass bekanntlich 1291 die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden einen Schutzbund gegen die Habsburger gründeten. In der Mitte des 14. Jahrhunderts schlossen sich die Kantone Luzern, Zürich und Bern dem Bund an, der 1474 vom Hause Habsburg anerkannt wurde. Am 4./14.5.1653 wurde an einer Landsgemeinde in Huttwil der zuvor in Sumiswald entworfene Bundesbrief der Berner Bauern beschworen und am 12.11.1690 befahl die Regierung des alten Bern, dass jede Gemeinde alle ihre Bewohner registriere, und dass diese fortan Burger dieser Gemeinde seien. Deshalb wurde die Burgergemeinde Sumiswald-Wasen gegründet, die noch heute besteht. Ihr Wappen sieht ähnlich aus wie dasjenige der Gemeinde Sumiswald, enthält jedoch zusätzlich zwei wellige gelbe Streifen (gelbe Bäche aus dem Napfgebiet??). Die Burgergemeinde war früher die Körperschaft  der vollberechtigten Stadtbürger oder Dorfgenossen zum Unterschied der nur ansässigen Einwohner. Im 19. Jahrhundert gingen die politischen Rechte an die neu geschaffenen, offenen Einwohnergemeinden über, während die alten Burgergemeinden (insbesondere in den Kantonen Bern und Wallis) teilweise die gemeinsamen Nutzungsrechte (Burgergüter) weiter verwalteten. - Das Schulwesen begann in Sumiswald 1559 mit einer Stiftung, gefolgt vom Bau je eines Schulhauses in Sumiswald (1683) und in Wasen (1705).

Die grosse Gemeinde Sumiswald hat heute eine Fläche von 5934 ha und ist von den Gemeinden Affoltern i.E., Dürrenroth, Wyssachen, Eriswil, Luthern, Trub, Langnau i.E., Trachselwald, Lützelflüh und Rüegsau umgeben. Das ausgedehnte Gebiet erstreckt sich über die Täler der Grüne und ihrer Zuflüsse und die umgebenden Hügelzüge des Napfvorlandes bis hinauf zu den Alpen Ahorn, Hochänzi und Lüderen. Mehr als anderswo gibt es im Emmental noch heute viele Bauern. Im Dorf Sumiswald wohnen gegenwärtig (2004) mit dem Familiennamen Bichsel u.a. eine Arztgehilfin/ Ballettlehrerin, eine Gymnastiklehrerin, eine Gärtnerin und eine Metallarbeiterin.  

Seit der Reformation ist die Bevölkerung des Emmentals mit wenigen Ausnahmen evangelisch-reformiert. Neben der Landeskirche gibt es viele religiöse Gruppierungen und Gemeinschaften, die ihren Glauben regelmässig in „Versammlungen“  stärken. Sie vertreten in der Regel stark fundamentalistische Tendenzen (Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift, Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung und baldige Wiederkunft Christi, Absonderung von der Welt und den Sünden etc.). Verschiedene Formen der Täufer (z.B. alt-evangelische Taufgesinnte) haben sich gerade im Emmental entwickelt, die anstelle der Kindertaufe die Erwachsenentaufe kennen. Das emmentalische Berggebiet ist mit vielen Einzelhöfen besiedelt und scheint für solche Formen religiösen Lebens ein guter Nährboden zu sein. Die Bevölkerung vertritt im Allgemeinen auch eine konservative Politik, die oft aus religiösen Ueberzeugungen begründet wird.  

Frühere Generationen hatten in der Regel viele Kinder. Einige starben manchmal  schon kurz nach der Geburt oder während der Kindheit. Erst seit etwa 1870 ging die Säuglingssterblichkeit vorerst leicht zurück und noch um 1900 waren etwa 40% der Gestorbenen unter zehn Jahre alt. Auch Frauen sind nicht selten bei Geburten gestorben, denn diese waren noch im 19. Jahrhundert gefährlich und schmerzhaft. Um die Schmerzen der Mütter zu lindern, verabreichte man ihnen manchmal Chloroform (verdampft bei gewöhnlicher Temperatur mit einem süsslichen Geruch und bewirkt beim Einatmen Bewusstlosigkeit und Aufhebung der Schmerzempfindung). - 

In der Neuzeit tragen die höhere Lebenserwartung und die Verringerung der Kinderzahl gemeinsam dazu bei, dass die Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten immer älter wird. Die Generationenbeziehungen spielten nicht nur früher eine wichtige Rolle, sondern sie werden es auch in Zukunft tun.