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Die Bichsel und das Emmental
Im Familiennamenbuch der Schweiz wird
der Familienname Bichsel in
verschiedenen Orten des Kantons Bern erwähnt, doch werden dort keine näheren
Angaben zur Herkunft gemacht. Die seinerzeit in Busswil bei Melchnau zugezogenen Familien mit dem Familiennamen
Bichsel hatten vorher den Heimatort Hasle bei Burgdorf. Vor 1660 sind in den
Kirchenbüchern von Melchnau – dazu gehören auch die Gemeinden Busswil,
Gondiswil und Reisiswil – keine Familien mit dem Namen Bichsel zu finden. Ob
den Neuzuzügern der neue Heimatort geschenkt oder ob er käuflich erworben
wurde, ist nicht bekannt. - Die beiden Gemeinden Hasle bei Burgdorf und Rüegsau werden durch die Emme getrennt,
bilden jedoch in verschiedenen Bereichen eine Einheit. Es liegt die Vermutung
nahe, dass die ersten Bichsel in dieser Gemeinde aufgetaucht sind, weil es im
Mittelalter – wo die Wasserwege eine wichtige Rolle spielten – vom Rhein her
und nachher auf der Aare der kürzeste Weg ins Emmental war. Die Holzbrücke von
Hasle gibt es seit 1763, schon vorher bestand in der Nähe ein Steg für Fussgänger.
Bild aus dem Emmental
Der Degener Verlag in Neustadt an der Aisch/D (http://www.degener-verlag.com/) gibt GENEALOGIE, die Deutsche Zeitschrift für Familienkunde heraus. In Nr. 14 1965, S. 827-830 wurde der Artikel „Die Bichsel aus dem Emmental (Kt. Bern) und die Büchsel in Berlin und in der Mark Brandenburg“ von Karl Büchsel publiziert. Im Eigenverlag in Göttingen ist 1955 vom gleichen Autor das Buch „Bilder aus der Geschichte der Familie Bichsel“ erschienen (ein Exemplar befindet sich in der Schweiz. Landesbibliothek in Bern). Aus diesen Quellen geht u.a. folgendes hervor: „Der Bauer Peter Bichsel, geb. in Goldbach und getauft in Halse am 3.1.1662, verheiratete sich am 16.3.1686 in Signau mit Trini Liechti aus der Rütimatt und lebte als Bauer in Signau, vermutlich auf einem durch die Frau ererbten Hofe. In Signau wurden dem Ehepaar 5 Kinder geboren, 4 Töchter und ein Sohn Hanns, geb. 10.6.1699.“ In den Kirchenbüchern von Signau kommt nachher der Familienname Bichsel nicht mehr vor. Heute findet man ihn wieder im Telefonbuch, jedoch mit dem Heimatort Eggiwil. -
„Zu Beginn des 18 Jahrhunderts ist der aus Goldbach im Emmental stammende Bauernsohn Hans Bichsel (Heimatort Hasle) ausgewandert. Er fand eine neue Heimat in Berlin und wurde der Stammvater eines seit rund 250 Jahren in Norddeutschland, besonders in der Mark Brandenburg und in Pommern ansässigen Geschlechts, das den Namen Büchsel führt.“ Er war Damast-, Samt- und Seidenweber. Seine Heirat mit Anna Dorothea Gutbier am 11.12.1721 in Berlin ist im Signauer Eherodel vermerkt. Er starb bereits am 10.5.1725. Im 18. Jahrhundert sind verschiedene Seidenweber aus der Schweiz nach Berlin ausgewandert, weil diese Stadt den Zuwanderern verschiedene Vergünstigungen gewährte. Auffällig bei den Büchsel aus Deutschland (Schönfeld, Berlin Stralsund) ist, dass in den Ahnenreihen verschiedene den Beruf eines Pastors ausübten. Ausführlich berichtet in diesem Zusammenhang Karl Büchsel über die Täufergemeinden im Emmental, die damals heftig bekämpft wurden. Insbesondere in den Orten Signau, Sumiswald und Trachselwald war das Täufertum stark verbreitet und überall gehörten Mitglieder mit dem Familiennamen Bichsel dazu, vermutlich auch der oben genannte Hanns (nach damaliger Schreibweise). Am 17.8.1533 meldete der Landvogt von Sumiswald nach Bern, dass die Täufer „ohne Unterlass in ihrer Wirksamkeit fortfahren.“ Die Gemeinden Sumiswald und Dürrenroth wurden deshalb 1533 verwarnt. –
Im 16 Jahrhundert wurden in Bern verschiedene Täufer hingerichtet, u.a. Ulrich Bichsel aus Hasle im Jahr 1537 (aus Geschichte der Bernischen Täufer“ von Ernst Müller, Frauenfeld 1895). Im Bernischen Täufermandat vom 8.9.1670 wurde festgelegt, dass alle Täufer das Land innerhalb von 14 Tagen zu verlassen hätten. Zudem wurde angedroht, dass die Personen mit Gewalt über die Grenze abgeschoben oder dauernd gefangen genommen würden, wenn sie sich widersetzten. Deshalb erfolgte kurz darauf eine Auswanderung von etwa 700 Täufern aus dem Kanton Bern. Sie gingen vor allem in den Jura, ins Elsass und in die Pfalz. Unter diesen Personen sind mehrere mit dem Namen Bichsel aufgeführt, insbesondere Andreas Bichsel aus Langnau, ein Bichsel aus Reisiswil und acht aus Eggiwil. Im November 1731 werden in der Oberpfalz (Nähe Mannheim) verschiedene Taufgesinnte aus der Schweiz mit Namen genannt, beispielsweise ein Samuel Böchtel als Diener der Gemeinde und Markus Frätz sowie Hans Bächtel als Diakonen in Unter-Gämbfer. –
Johann Gottfried Bichsel, geb. 2.11.1722, ein Sohn von Hans aus Goldbach, Heimatort Hasle, studierte Theologie (er wuchs nach dem Tod seines Vaters bei der Mutter auf, die sich anfangs des Jahres 1727 mit dem Pastor Jakob Fahland verheiratete) und war 1762 lutherischer Pastor in Schönfeld in der Uckermark. Er war der erste dieser Sippe in Deutschland, der den Namen Büchsel statt Bichsel führte. Verschiedene seiner Nachfahren standen in kirchlichen Diensten. Wilhelm Büchsel, geb. 1848, war im 1. Weltkrieg deutscher Marine-Admiral und vor dem Krieg Direktor des Marine-Departements des Reichsmarineamtes. Goldbach gehört zur Gemeinde Lützelflüh. Als ältester Stammvater wird dort Andreas Bichsel, geb. 18.10.1591 aufgeführt. Er war ein Sohn von Hans Bichsel und Elsbeth Aeschlimann, den Ureltern einer Sumiswalder-Linie. Demnach haben die Bichsel aus Sumiswald und zumindest ein Teil der Büchsel in Deutschland ursprünglich die gleichen Wurzeln. - Im Grossraum Darmstadt existiert noch eine zweite Sippe mit dem Namen Büchsel bzw. Buxel, über deren Herkunft weiter unten berichtet wird.
In Grünenmatt gibt es den Landwirtschaftsbetrieb Bichselhaus, in Wasen
im Emmental einen Bichselberg und in Eggiwil
ein Bichseli als Ortsbezeichnung. Die Dörfer Eriswil
und Wyssachen haben
je eine örtliche Bezeichnung „Bichsel“. In Birchwil-Nürensdorf
im Kanton Zürich kommt die Ortsbezeichnung Im Buchsel und in Rümlang ZH
Im Büchsel vor; im Kanton
Freiburg findet man den Ort Büchslen
(dort wohnen heute keine Bichsel, auch nicht in den Nachbargemeinden Ferenbalm
und Gempenach, wo der Name früher vorkam, jedoch
finden wir ihn heute in Muntelier und in
Murten). Vom 12. Jahrhundert an gehörte Buchillion – wie der Ort damals hiess - zum Priorat Payerne; 1475
kam er zur bernisch-freiburgischen Vogtei Murten. Ursprünglich war er französischsprachig,
entwickelte sich jedoch besonders nach der Reformation zur fast rein
deutschsprachigen Gemeinde. Im 18. Jahrhundert hiess die Ortschaft Bichslen.
In Oberbayern, in der Nähe der
Kreisstadt Aichach gibt es ein Pichl
und im Schloss Pichl in Aidenbach,
Bayern, befindet sich ein Therapiezentrum für Drogenabhängige. -. Ebenfalls
findet man einen gleichnamigen Ort im Sudentenland in Böhmen (ehemaliger Bezirk Mies). Es handelt sich um das früher von
Deutschen bewohnte Gebiet des ehemaligen Königreichs Böhmen. - In Oesterreich
kommt der Ort im Ennstal, in Pichl-Preunegg bei Schladming, in Pichl-Mantling
(Dachsteiner- Tauern-Region),
in Pichl-Kainisch in der Steiermark sowie bei Wels in Oberösterreich, an der
Grossglocknerstrasse und bei Euratsfeld (Ybbstal) vor. Das Schloss Pichl in
Mitterdorf im Mürztal ist eine ehemalige Burg aus dem Mittelalter. Alle diese
Namen haben etwas mit einem Hügel zu
tun. - Ein kleiner Stammbaum von Ludwig Pichl, geb. 4.4.1881 aus Egerland in Böhmen
ist unter http://www.m-kummer.de/
dargestellt.
In Norddeutschland gibt es die Redensart: Man muss dir oft ins Bichsle blasen. (Man muss durch Geschenke nachhelfen, wenn er etwas tun soll). Und in Schwaben kann man hören: "Der hat doch sei Bichsle gar net ronderglasse" (er hat seine Kleider nicht ausgezogen).
Familien mit dem Namen Bichsel gibt es auch in Schweden, beispielsweise in Sandviken, Skjärplinge und Uppsala. Es handelt sich um Schweizer, die nach Schweden ausgewandert bzw. ein paar Jahrhunderte später wieder rückgewandert sind; mindestens teilweise sind sie in Rüegsau heimatberechtigt. Peter Bichsel, geb. 1.1.1669, von Sumiswald, der Sohn von Daniel, geb. 1622 und der Lucia Fankhauser, ist nach Rüegsau gezogen, weshalb dieser Stamm seit 1699 dort weiter geführt wird, demnach ursprünglich auch zur Sumiswalder-Linie gehörte.