Inhalt - Jugendsuizidprävention Dossier

Dossier "Jugendsuizidprävention"



Gründe für Suizidalität

Der Impuls zum Suizid kann verschiedenste Gründe haben. Seit Emile Durkheim 1897 die erste systematische Studie zum Suizid veröffentlicht hat, haben verschiedene psychologische und soziologische Strömungen die Erklärungsansätze mit ihren je eigenen Sichtweisen erweitert. Heute kann man verallgemeinernd festhalten, dass suizidale Handlungen Ausdruck davon ist, dass jemand aufgrund seiner individuellen (ererbten und angelernten) Dispositionen und Ressourcen seine jeweilige Lebenssituation nicht mehr bewältigen kann.

Oft wird Depressivität mit der Neigung zu Suizid in Verbindung gebracht. Das ist ein plausibler Erklärungsansatz. In der Schweiz erleben 10-15% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens depressive Phasen. Allerdings stehen auch diese in engem Zusammenhang mit konkreten belastenden Lebensumständen. Suizidalität einseitig auf Depressivität zurückzuführen und sie damit zu pathologisieren, greift deshalb in der Regel zu kurz.

Suizidale Tendenzen bei Jugendlichen

Diese Engführung von Suizidalität und Depression zu vermeiden, ist gerade auch bei Jugendlichen wichtig. In der Schweiz werden 20% aller Jugendlichen psychische Auffälligkeiten zugeschrieben, wovon 10% als behandlungsbedürftig eingestuft werden. Das ist ernst zu nehmen. Andererseits ist das Jugendalter per se eine kritische Lebensphase. Jugendliche müssen vielseitige Entwicklungsaufgaben bewältigen. Alles ist im Fluss und deshalb unsicher: die Familienbeziehungen, die Freundschaften, die eigenen Rollen, der Körper und die eigene Beziehung dazu. Die Gegenwart ist brüchig und die Zukunft ist offen. In diesem Kontext müssen Jugendliche ihre Identität finden und entwickeln. Psychische Auffälligkeiten müssen in diesem Kontext gesehen und beurteilt werden und alle Interventionen haben dies zu berücksichtigen, seien sie nun sozialarbeiterischer, therapeutischer oder pharmakologischer Natur.

Eine grosse Rolle spielen zudem sozialisierte, geschlechtsspezifische Muster der Problemlösung. Es wird angenommen, dass der grosse Unterschied zwischen der Suizidalität von männlichen und weiblichen Jugendlichen wesentlich darauf zurück zu führen ist. In der Altersgruppe der 15-24-Jährigen begehen männliche Jugendliche mehr als sechs mal häufiger Selbstmord als weibliche.

Risiko- und Schutzfaktoren

Als Ansatzpunkt für die Einschätzung individueller Suizidgefährdung wie auch für präventive Massnahmen gelten die Risiko- und die Schutzfaktoren. Dabei geht es um "Merkmal[e] der Person oder Umwelt (materiell, familiär, sozial)", die das Auftreten von suizidalen Handlungen erhöhen bzw. vermindern. Diese sind teilweise eng miteinander verwoben. So sind beispielsweise familiäre Beziehungen ein wichtiger Bezugspunkt für Heranwachsende und können je nach Funktionalität bzw. Disfunktionalität sowohl Risiko- als auch Schutzfaktor sein. Auch die Beziehungen zu Gleichaltrigen können sich positiv wie auch negativ auswirken. Während die Anerkennung in den Peergroups ein starkes Selbstwertgefühl erzeugt und als Schutzfaktor wirkt, können Ausschluss, Mobbing zum Risikofaktor werden.
Ein weiterer starker Risikofaktor im Jugendalter ist grosser Stress und Leistungsdruck in der Schule bzw. Ausbildung. Auch übermässiger Konsum von Alkohol und Drogen kann diese Neigung verstärken und erweist sich damit als schlechte Bewältigungsstrategie bei belastenden Lebenssituationen.

Prävention

Für die Prävention eröffnet diese Sichtweise verschiedene Ansatzpunkte zwischen der Stärkung der Schutzfaktoren und der Verminderung / Schwächung der Risikofaktoren. Bei präventiven Massnahmen wird üblicherweise zwischen primärer-, sekundärer- und tertiärer Prävention unterschieden, sei dies nun im Gesundheits-, bei Sucht-, oder eben auch bei Suizidprävention.

  • Primäre Prävention setzt dort an, wo noch keine akute Gefährdung vorhanden ist, und wendet sich dabei an eine Ziel- oder Altersgruppe als Ganzes.
  • Sekundäre Prävention nimmt einzelne Individuen in den Blick, bei denen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial erkennbar ist. Im Falle von Suizidalität können das besonders belastete Personen sein, oder solche, die entsprechende Signale abgeben, beispielsweise indem sie Suizidabsichten äussern.
  • Tertiäre Prävention kommt dann zum Tragen, wenn bereits eine akute Krise eingetreten ist. Im Falle von Suizidalität kann diese Form der Prävention zu spät kommen.

Die spezifische Prävention von Jugendsuiziden setzt idealerweise auf der sekundären Ebene an. Um Suizide Jugendlicher zu verhindern, muss das Umfeld die erhöhte Gefährdung wahrnehmen und darauf reagieren können. Die Signale und Symptome sind dort erkennbar, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Das heisst, dass die Bezugspersonen in den Schulen und den Lehrbetrieben eine wichtige Rolle spielen. In Bezug auf schule hat die Schulsozialarbeit einen wichtigen Stellenwert für die Prävention. Für Lehr- und Ausbildungspersonen hat die BEGES einen Handlungsleitfaden entwickelt (Link). (Weitere hilfreiche Adressen siehe unten)



Jugendsuizidprävention [U25]


12. Februar, 2016 - sueddeutsche.de
E-Mail-Hilfe für Jugendliche in Krisen: Ich kann nicht mehr

"Ich werde in der Schule geärgert", "Ich werde zu Hause geschlagen", "Ich kann nicht mehr". Marens Posteingang ist voll mit Nachrichten wie diesen. Wer der 18-Jährigen schreibt, hat aufgegeben, sieht keinen Sinn mehr im Leben oder schlimmstenfalls nur noch: den Tod.


06. Januar, 2016 -
[U25] Schweiz



06. Januar, 2016 -
[U25] Deutschland



06. Januar, 2016 -
[U25] Freiburg


Fachstellen Jugendsuizidprävention


06. Januar, 2016 - GDK
Aktionsplan Suizidprävention

Mit der Motion Ingold 11.3973 « Suizidprävention. Handlunsspielraum wirkungsvoller nutzen“, ist der Bundesrat beauftragt, einen Aktionsplan Suizidprävention zu erarbeiten und anschliessend umzusetzen. Dieser soll die Suizidrate in der Schweiz reduzieren und bei den Hauptrisikofaktore Depression und soziale Isolation ansetzen. Die Projektleitung für die Erarbeitung des Aktionsplans wird, im Auftrag des Dialogs Nationale Gesundheitspolitik, vom Bundesamt für Gesundheit BAG, der GDK und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz gemeinsam getragen.

11.3973 – Motion:
Suizidprävention. Handlungsspielraum wirkungsvoller nutzen



06. Januar, 2016 -
du-bist-du

du-bist-du ist eine Informationsplattform und ein Peer-Beratungsangebot für junge lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Menschen, aber auch für junge Menschen, die sich ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität noch nicht sicher sind. 


06. Januar, 2016 - Pro Juventute
Kampagne «Stopp Jugendsuizid»

Das Beratungsangebot von Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 unterstützt Kinder und Jugendliche bei Fragen zu Familienproblemen, Gewalt, Sucht, Schule und Beruf sowie Liebe, Freundschaft und Sexualität: an 365 Tagen, rund um die Uhr – schweizweit und kostenlos.


06. Januar, 2016 -
tschau.ch - E-Beratung und Jugendinformation

Die E-Beratung und Jugendinformation Tschau.ch ist eine professionell geführte Beratungsplattform für junge Menschen in der deutschsprachigen Schweiz. Sie ist politisch und konfessionell neutral. Fachleute beantworten die Lebens- und Alltagsfragen der jugendlichen Ratsuchenden schriftlich innerhalb von maximal drei Arbeitstagen.



06. Januar, 2016 - Kanton Zürich
Kanton Zürich startet direktionsübergreifendes Schwerpunktprogramm zur Suizidprävention

Der Regierungsrat will das Schwerpunktprogramm «Suizidprävention Kanton Zürich» umsetzen. Das Programm deckt ein weites Spektrum von Massnahmen ab. Sie sollen dazu beitragen, Menschen in suizidalen Krisen zu unterstützen. In die Umsetzung der 18 Projekte des Schwerpunktprogramms in den Jahren 2015 bis 2018 sind alle kantonalen Direktionen involviert. Die veranschlagten Kosten betragen insgesamt 2,93 Millionen Franken. 

Hilfreiche Unterlagen


06. Januar, 2016 - BEGES
Schritte der Früherkennung

Handlungsleitfaden für Lehrpersonen im Umgang mit Risikosituationen von Schüler /-innen


06. Januar, 2016 - Kanton Bern
Fachgruppe Suizidprävention Kanton Bern

Referate der Veranstaltung "Krisen und Suizidalität im Jugend und jungen Erwachsenenalter" vom 11.11.2015


Literatur / Studien


06. Januar, 2016 - BAG
Epidemiologie von Suiziden, Suizidversuchen

April 2015

In der Schweiz wird bei 1 bis 2% aller Todesfälle Suizid als Todesursache angegeben. 10% aller Schweizerinnen und Schweizer begehen im Laufe ihres Lebens einen oder mehrere Suizidversuche und jede zweite Person berichtet in retrospektiven epidemiologischen Erhebungen über Suizid-Gedanken.


06. Januar, 2016 - , Egli, Nicole
978-9--90630800-5
Jugendsuizidalität - Suizidprävention in der Schulsozialarbeit

Die Schulsozialarbeit spielt in der Beratung, Gruppen- und Projektarbeiten, Elternarbeit sowie der Mitarbeit in verschiedensten Gremien eine wichtige Rolle. Für diese Arbeit im präventiven Bereich ist ein fundiertes Grundwissen zu den Themen „suizidales Handeln“, „Jugend“ und „Beratung“ eine wichtige Voraussetzung. Dieses Buch geht der Frage nach:
Welches Wissen zu suizidalem Verhalten bei Kinder und Jugendlichen braucht die Schulsozialarbeit für die Beratung und Prävention?



06. Januar, 2016 - Forkmann, Thomas; Teismann, Tobias; Glaesmer, Heide
Diagnostik von Suizidalität

Die Bände der Reihe geben Übersichten zu zentralen Gebieten der psychologischen Diagnostik. Ziel ist es, die diagnostische Kompetenz im Alltag zu erhöhen. 


06. Januar, 2016 - BAG
Suizid und Suizidversuche

Suizid und Suizidversuche sind ein in der Schweiz häufig unterschätztes Problem der öffentlichen Gesundheit, vor allem im Vergleich zu anderen Gesundheitsproblemen. Die Schweiz gehört innerhalb von Europa zu den Ländern mit einer überdurchschnittlich hohen Suizidrate. 


06. Januar, 2016 - Watzka, Carlos
Suizide und ihre biopsychosozialen Bedingungsfaktoren

Epidemiologische Analysen auf Basis von Aggregat- und Individualdaten

Carlos Watzka aktualisiert und vertieft die Forschung zu Risikofaktoren für Selbsttötungen auf individueller und kollektiver Ebene mittels multivariater quantitativer Analysen und schließt damit an seine Pilotstudie „Sozialstruktur und Suizid (2008)“ an.


06. Januar, 2016 - AvenirSocial Schweiz
SozialAktuell, 5/2015: Suizid und Suizidalität

Was erschüttert uns mehr als der Suizid eines Freundes, einer PartnerIn, eines Kindes, eines Elternteils, und was löst so viel Schmerz, so viel Hilflosigkeit und Schweigen aus? Wir wollen mit dieser Heftausgabe das Schweigen brechen und auch die Hilflosigkeit sichtbar machen, die angesichts von Suiziden auch in der Sozialen Arbeit verbreitet ist.


06. Januar, 2016 - SKMR
Suizidales Verhalten bei Jugendlichen

Förderung der sozialen Werte als mögliche Prävention?

Der vorliegende Artikel behandelt die Problematik und die Folgen der Empfehlung 123.82 der UPR 2012, insbesondere:

  • das alarmierend ausgeprägte suizidale Verhalten bei Schweizer Jugendlichen;
  • die Notwendigkeit einer soliden sozialen Prävention durch den Staat und die Gesellschaft;
  • die Ausarbeitung und Umsetzung einer Politik der öffentlichen Hand zur Förderung der positiven Elternschaft.

Am 27. Februar 2013 hat der Bundesrat die bis dahin offene Empfehlung 123.82 akzeptiert.



06. Januar, 2016 - Bründel, Heidrun
Notfall Schülersuizid

Risikofaktoren - Prävention - Intervention

Das Buch liefert zunächst grundlegende Kenntnisse über Suizid. Dann wird gezeigt, wie auf Alarmsignale der Suizidgefährdung professionell im Rahmen der Schule reagiert werden kann. Weiterhin vermittelt das Buch Wissen zur "Krisenintervention" nach erfolgtem Suizid sowie eine kritische Analyse angloamerikanischer und deutschsprachiger Suizidpräventionsprogramme. Eine Fortbildung für Lehrkräfte kann als PowerPoint-Präsentation kostenfrei heruntergeladen werden.

Medienberichte


04. Mai, 2016 - SWR
Hilfeschreie im Netz

Junge Leute helfen jungen Leuten bei U25

Sie sind jung, um die 20. Sie stehen am Anfang ihres Lebens - und sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit dem Tod. Über Mails versuchen sie andere junge Leute davon abzuhalten, sich das Leben zu nehmen. U25, das online-Suizidpräventionsportal, in dem sie ehrenamtlich mitarbeiten, verzeichnet immer mehr Hilferufe von Jugendlichen. Die sieben Standorte in Deutschland können den Ansturm der Verzweifelten kaum bewältigen. Oft sind die Berater von U25 die einzigen, die sich interessieren. Sie suchen nach einem Ausweg aus dem Strudel der Suizid-Gedanken, versuchen Ressourcen zu entdecken und die Jugendlichen zu ermutigen, einen neuen Blick auf ihr Leben zu werfen.


06. Januar, 2016 - BR
Grenze der Handlungsfreiheit

Suizid aus philosophischer Sicht

Selbstmord, ein umstrittenes Thema in der Philosophie. Es berührt die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Handlungsfreiheit. Gibt es eine moralische Instanz, die diese Entscheidung verweigern kann? 


06. Januar, 2016 - My handicap
Beratung auf Augenhöhe

Die Peer-to-Peer-Beratung von [U25] Schweiz geht in der Jugendsuizidberatung ganz neue und erfolgreiche Wege. 


06. Januar, 2016 - BZ
«Während der Adventszeit gibt es so wenige Suizide wie sonst nie»

Warum die Schweiz eine hohe Suizidrate hat, Männer sich öfter selber töten als Frauen und was man bei Jugendlichen mit suizidalen Absichten tun kann: ein Gespräch über ein dunkles Thema.



06. Januar, 2016 - BZ
«Jugendliche ernst nehmen und nicht mit Floskeln abspeisen»

Depressive oder suizidgefährdete Jugendliche senden in aller Regel Warnsignale.
Wie können Lehrpersonen und Berufsbildende diese erkennen?
Und: Wie reagieren sie in dieser Situation richtig? Im Gespräch: Philip Hoffmann,
Fachmitarbeiter Prävention bei der Stiftung Berner Gesundheit.


06. Januar, 2016 - NZZ Online
Jugendliche helfen Jugendlichen

Prävention gegen Suizid

Das Projekt «U25 Ostschweiz» versucht durch den Austausch unter Gleichaltrigen Jugendsuiziden vorzubeugen. In Deutschland hat sich ein solches Angebot bereits etabliert.