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Herkunftssuche bei Adoption: Wichtiges in Kürze

05.12.2014 / bac



Die Herkunftssuche für adoptierte Kinder ist in der Schweiz gesetzlich vorgesehen, aber nicht immer zufriedenstellend. So stehen rechtliche Voraussetzungen und bürokratische Hürden den persönlichen Bedürfnissen gegenüber und können gar unvereinbar sein. Die Revision des Adoptionsrechts ist am Laufen und das Adoptionsgeheimnis soll gelockert werden.

© erwigurger / PIXELIO'

Gründe für die Suche

In der Schweiz werden jährlich rund 400 Kinder adoptiert. Früher oder später wird ein jedes von ihnen mit Fragen konfrontiert: Woher komme ich? Warum haben mich meine leiblichen Eltern weggegeben oder habe ich leibliche Geschwister?

Die Suche nach seinen eigenen Wurzeln und der Wunsch, seine leiblichen Eltern kennenzulernen, können bedeuten, sich auf einen langwierigen Weg zu begeben. Häufig reicht es nicht aus, nur die Identität (Name, Adresse und Wohnort) der biologischen Eltern zu kennen. Vielmehr entsteht das Verlangen, in direktem Kontakt zu stehen und Antworten auf offene Fragen zu erhalten. Vor allem das fehlende Wissen über die Gründe der Weggabe beschäftigt die Suchenden, aber auch nicht genau beschreibbare Gefühle zur Herkunft schwingen mit, die sie zu entschleiern erhoffen durch einen direkten Kontakt.

 

Vorgehen bei der Herkunftssuche

Eine Herkunftssuche bündelt sämtliche Anstrengungen, die eine Person unternimmt, um an die Zeit vor seiner Adoption anzuknüpfen. Nebst den Identitätsfragen gibt es auch Fragen auf der praktischen Ebene zu klären. Es handelt sich um einen Prozess, der gleichzeitig eine Auseinandersetzung auf der rechtlichen, administrativen, sozialen aber auch psychologischen Ebene bedeutet und der von Drittpersonen und Fachorganisationen unterstützt werden muss. Die Herkunftssuche benötigt Zeit und Geduld. Kein adoptiertes Kind weiss zum Voraus, worauf es sich einlässt bei der Suche. Was geschieht zum Beispiel, wenn die leibliche Mutter bereits verstorben ist? Oder wenn jemand bei der Suche auf Ablehnung stösst? Selbstverständlich betrifft die Suche auch die nähere persönliche Umgebung. Einerseits kann diese stützend Einfluss nehmen, andererseits ist ihre Belastung nicht zu unterschätzen, wenn beispielsweise Adoptiveltern mit Verlustängsten reagieren.

Rechtliche Voraussetzungen

Eine adoptierte Person kann gemäss Zivilgesetzbuch Art. 268c Abs.1 jederzeit Auskunft über die Personalien ihrer leiblichen Eltern verlangen, sobald sie das 18. Lebensjahr vollendet hat. Vorher kann sie Auskunft anfordern, wenn sie ein schutzwürdiges Interesse hat.

Art. 268c Abs.2 ZGB hält fest: "Bevor die Behörde oder Stelle, welche über die gewünschten Angaben verfügt, Auskunft erteilt, informiert sie wenn möglich die leiblichen Eltern. Lehnen diese den persönlichen Kontakt ab, so ist das Kind darüber zu informieren und auf die Persönlichkeitsrechte der leiblichen Eltern aufmerksam zu machen. "

Art. 268c Abs.3 ZGB definiert: "Die Kantone bezeichnen eine geeignete Stelle, welche das Kind auf Wunsch beratend unterstützt."

Auf der Ebene des internationalen Rechts mit dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes Art. 7 Abs.2 steht: "Das Kind ist unverzüglich nach seiner Geburt in ein Register einzutragen und hat das Recht auf einen Namen von Geburt an, das Recht, eine Staatsangehörigkeit zu erwerben, und soweit möglich das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden."

Hilfe seitens der Behörde

Um Nachforschungen zu betreiben, können in der Schweiz geborene Kinder ihr Gesuch bei ihrem Geburtskanton einreichen. Der Heimatort kann dann Hilfe anbieten, wenn jemand im Ausland geboren wurde und über das Schweizer Bürgerrecht verfügt. Der Wohnkanton wiederum wird zuständig, wenn die Person weder in der Schweiz geboren wurde noch das Schweizer Bürgerrecht besitzt. Die Onlineplattform "ch.ch" ist eine Dienstleistung des Bundes, der Kantone und Gemeinden, die eine aktuelle Liste zu den zentralen Behörden der Kantone im Adoptionswesen zur Verfügung stellt.

Fachstellen für Adoption

Obwohl die rechtlichen Vorgaben präzise sind, sind Fachorganisationen bei der Herkunftssuche wichtig. Auch dann, wenn eine Kontaktaufnahme ausweglos erscheint. Nicht selten gelingt es ihnen mit entsprechendem Einwirken und Verhandeln, dass sich die Parteien trotz anfänglicher Abwehr annähern können.

Für Kinder, die in der Schweiz oder im Ausland geboren wurden, bestehen bereits heute spezialisierte Suchdienste. Diese beraten im Bereich der rechtlichen Situation, arbeiten mit den zuständigen Fachinstanzen der Kantone zusammen und informieren über die Persönlichkeitsrechte der biologischen Eltern. Personensuchdienste bieten zum Beispiel das Roten Kreuz, die Heilsarmee, der Internationalen Sozialdienst, die Stiftung Terre des hommes, der Verein Espace Adoption und die PACH - Pflege- und Adoptivkinder Schweiz an. Letztere hilft Suchenden mit Geburtsort Schweiz, ihre leiblichen Angehörigen zu finden und vermittelt auf Wunsch zwischen den Betroffenen. Ergänzend begleiten sie die Betroffenen in ihrem Prozess, auch dann, wenn es zu einer Kontaktablehnung kommt.

Kinder, die im Ausland zur Welt gekommen sind, können sich etwa an die Schweizerische Stiftung des internationalen Sozialdienstes SSI wenden. Die SSI berät Interessierte über das rechtliche und praktische Vorgehen im In- und Ausland und verfügt über ein eigenes Informations- und Dokumentationszentrum zum Thema internationale Adoption und Kinder ohne Angehörige. Nach Absprache mit den Beteiligten können sie helfen, den rechtlichen Kontext zu erklären und einen ersten Kontakt herzustellen. Auch die SSI bietet eine weiterführende persönliche Begleitung an.

Adoptionsgeheimnis

Das Gesetz hält Möglichkeiten und Grenzen der Herkunftssuche für adoptierte Kinder fest. Wie steht es um die Rechte der biologischen Eltern und wie unantastbar soll das Adoptionsgeheimnis bleiben? Am 29. November 2013 schickte der Bundesrat die Revision des Adoptionsrechts in die Vernehmlassung. In der Medienmitteilung vom 29.11.2013 steht geschrieben: "Weiter soll das Adoptionsgeheimnis für leibliche Eltern, die Informationen über das zur Adoption freigegebene Kind erhalten möchten oder dieses Kind suchen, gelockert werden. Die Personalien des adoptierten Kindes sollen künftig den leiblichen Eltern bekannt gegeben werden dürfen, sofern das volljährige Kind der Bekanntgabe zustimmt. Demgegenüber steht dem adoptierten Kind heute schon ein absoluter Anspruch auf Kenntnis seiner Abstammung zu, ohne dass die leiblichen Eltern der Bekanntgabe der Informationen vorgängig zustimmen müssen. Wenn der Kontakt zu den gesuchten Personen – den leiblichen Eltern oder dem einst zur Adoption freigegebene Kind – nicht einfach hergestellt werden kann, können spezialisierte Personensuchdienste damit beauftragt werden."

Eine Revision des Adoptionsrechts würde eine Änderung des Zivilgesetzbuches und anderer Erlasse erwirken. Der erläuternde Bericht zur Änderung des Zivilgesetzbuches und die Vorschläge der Rechtssätze liegen bereits vor. In der Einleitung zum Bericht steht: "(….)So sollen die leiblichen Eltern Auskunft über die Identität des volljährigen Kindes erhalten, sofern dieses zugestimmt hat. Schliesslich soll ihnen unabhängig vom Alter des Kindes und auch ohne dessen Zustimmung ein Anspruch auf Kenntnisgabe nichtidentifizierender Informationen über das Adoptionsverhältnis eingeräumt werden, sofern dadurch die Interessen des Kindes nicht verletzt werden. Der gleiche Anspruch soll umgekehrt auch dem minderjährigen Kind im Hinblick auf seine leiblichen Eltern eingeräumt werden."

 

 

Fachstellen


01. Dezember, 2014 - PACH Pflege- und Adoptivkinder Schweiz
Sie suchen Ihre leiblichen Angehörigen?

Die Schweizerische Fachstelle für Adoption versucht, die aktuelle Adresse der oder des Gesuchten ausfindig zu machen. Nach erfolgreich abgeschlossener Suche besprechen wir mit Ihnen das weitere Vorgehen und die verschiedenen Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme. 


01. Dezember, 2014 - Association espace adoption
Bienvenue sur le site d'Espace adoption

Espace adoption est un lieu d’échange, d’écoute, de soutien et de réflexion pour toute personne concernée par l’adoption. Une équipe pluridisciplinaire, formée de professionnels de la santé psychique spécialisés dans le domaine de la famille, y anime différentes activités. 


01. Dezember, 2014 - SSI
Suche nach Herkunft und Angehörigen

Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes

Jeder Mensch hat das Bedürfnis zu wissen, woher er kommt, damit er sich eine Identität geben und sich unter den bestmöglichen Bedingungen entwickeln kann. Der Wunsch, seine Wurzeln zu kennen, entwickelt sich im Allgemeinen während der Pubertät oder im Erwachsenenalter.


01. Dezember, 2014 - Heilsarmee
Personensuchdienst

Wir suchen vermisste Personen

Die Heilsarmee sucht seit über 125 Jahren auf Anfrage weltweit nach vermissten Familienangehörigen. Immer wieder gelingt es ihr, jahrelang getrennte Familien zusammenzuführen. 


01. Dezember, 2014 - SRK
Suchdienst SRK

Suche nach vermissten Personen

Der Suchdienst SRK steht allen in der Schweiz wohnhaften Personen offen, die ein Familienmitglied oder eine ihnen nahe stehende Person vermissen.

Medien


03. Dezember, 2014 - Neue Presse
"Alle Adoptiveltern haben Angst"

Ab welchem Alter suchen Adoptivkinder nach ihren Wurzeln? Das ist vom Geschlecht abhängig: Männer meist erst mit Mitte 30 und Frauen schon mit Mitte 20.


01. Dezember, 2014 - SRF
«Jimmyjoe» – Der Partyprinz sucht nach seinen Wurzeln

Samuel Kohler wurde von Schweizer Missionaren unter einem Haufen Schmutzwäsche in Lissabon gefunden. Heute lebt der Kleinwüchsige in Bern und mischt als Showtänzer «Jimmyjoe» die Berner Clubs auf. SRF DOK fragt mit den Worten seines Cousins Knackeboul: «Wo chunsch du här, wo geisch du hi?» 


01. Dezember, 2014 - SRF
Abenteuerliche Suche nach der Mutter im Libanon

Dida Guigan wurde vor 28 Jahren im Libanon geboren, mitten im Bürgerkrieg. Ihre Mutter gab sie zur Adoption frei, und so wuchs sie in einer Familie in der Westschweiz auf.


01. Dezember, 2014 - Familienleben
Wenn das Adoptivkind nach den leiblichen Eltern sucht

Wenn ein Kind zur Adoption freigegeben wird, bricht der Kontakt zu den leiblichen Eltern in der Regel ab. Einige Vermittlungsstellen bieten aber einen anonymen Briefverkehr an, bei dem die Mütter in unregelmässigen Abständen schreiben können. Aus den Adoptionserfahrungen der letzten Jahrzehnte hat man gelernt, dass die kulturellen und sozialen Wurzeln des Kindes nie verschwinden werden. 


01. Dezember, 2014 - Tages-Anzeiger
Wiedersehen ohne Freude

Zehn Jahre nachdem er von seiner Adoption erfahren hat, macht sich Jakob Huber auf die Suche nach seinen Eltern. Und nimmt seinen alten Namen Jacob Tschanz wieder an.


01. Dezember, 2014 - ErzieherIn.de
Eine neue Generation von Adoptiv- und Pflegeeltern stellt für das Kind durch Biografiearbeit oder in Realität Verbindung zur Herkunftsfamilie her

Prof. Dr. Jörg Maywald im Gespräch mit Irmela Wiemann, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Familientherapeutin in Weinbach


01. Dezember, 2014 - Der Schweizerische Beobachter
Das Leiden der Adoptierten

Traumatisierung

Das Parlament will Adoptionen erleichtern. Doch die Reform zielt an einem zentralen Problem vorbei: Adoptierte haben kein Recht darauf, ihre leiblichen Eltern kennenzulernen. Das kann zu lebenslanger Traumatisierung führen – eine Betroffene erzählt.


01. Dezember, 2014 - stern.de
Zu wissen, woher man kommt, macht stark

Suche nach den Wurzeln

Ihr Leben lang fragen sich Findelkinder, warum man sie aussetzte. Eine psychologische Beraterin erklärt, warum die Suche nach den eigenen Wurzeln wichtig ist und was helfen kann, zur Ruhe zu kommen. 

Adoptionsgeheimnis


01. Dezember, 2014 - BJ
Erläuternder Bericht zur Ände rung des Zivilgesetzbuches (Adoptionsrecht)

Das schweizerische Adoptionsrecht wurde in den 1970er Jahren umfassend revidiert. Seither haben sich verschiedene gesellschaftspolitische Entwicklungen zugetragen. Namentlich zeigt sich eine starke Zunahme von Lebensgemeinschaften ausserhalb der Ehe, seien diese verschieden- oder gleichgeschlechtlich. Dagegen geht das geltende Adoptionsrecht noch da von aus, dass grundsätzlich nur in einer Ehe lebende Personen ein Kind adoptieren können. Darüber hinaus hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in den letzten Jahren verschiedene wegweisende Urteile zum Adoptionsrecht gefällt, die deutlich gemacht haben, dass das geltende Adoptionsrecht nicht mehr den Anforderungen unserer Zeit entspricht.


01. Dezember, 2014 - BJ
Revision des Adoptionsrechts

Änderung des Zivilgesetzbuches und anderer Erlasse

Der Bundesrat will die Stiefkindadoption einem weiteren Kreis von Paaren öffnen: In Zukunft soll diese Möglichkeit nicht nur Ehepaaren, sondern auch Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft oder – als Variante – zusätzlich Paaren in einer faktischen Lebensgemeinschaft offenstehen. Die Revision sieht zudem Anpassungen bei den Adoptionsvoraussetzungen vor. 


01. Dezember, 2014 - BJ
Stiefkindadoption soll künftig nicht mehr nur für Ehepaare möglich sein

Medienmitteilungen, Der Bundesrat, 29.11.2013

Der Bundesrat will die Stiefkindadoption einem weiteren Kreis von Paaren öffnen: In Zukunft soll diese Möglichkeit nicht nur Ehepaaren, sondern auch Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft oder – als Variante – zusätzlich Paaren in einer faktischen Lebensgemeinschaft offenstehen. Zudem stellt der Bundesrat eine Lockerung der Adoptionsvoraussetzungen und des Adoptionsgeheimnisses zur Diskussion. 


01. Dezember, 2014 - BZ
Leibliche Mütter sollen adoptierte Kinder suchen dürfen

Wer ein Kind zur Adoption frei gegeben hat, soll es kontaktieren können, wenn es damit einverstanden und volljährig ist. Der Bundesrat will das Gesetz entsprechend anpassen.

Publikationen


01. Dezember, 2014 - , SSI, ,
Die Herkunftssuche

Um sich in die Zukunft versetzen zu können müssen wir uns über unsere Wurzeln, unsere Vorfahren und unsere Abstammung befragen. Diese Suche nach der Herkunft hat eine spezielle Bedeutung für adoptierte Personen, die sehr früh von ihren leiblichen Eltern getrennt wurden.


01. Dezember, 2014 - Eric, Breitinger
Vertraute Fremdheit

Adoptierte erzählen

In fünfzehn Porträts erzählen Frauen und Männer, jung und alt, wie die Adoption ihr gesamtes Leben prägt. Sie berichten von einem Gefühl des Fremdseins, das ebenso zu ihrem Alltag gehört wie Selbstzweifel oder Identitätsprobleme. Für die meisten enden die Suche nach ihrer Herkunft und die erste Begegnung mit den leiblichen Eltern in einer grossen Enttäuschung. Wie wird ein Mensch damit fertig, zu zwei Familien zu gehören und doch nirgends heimisch zu sein?

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