Inhalt - Früherkennung/-intervention (12/16)

Früherkennung und Frühintervention im Kindesschutz - Eine Übersicht

Dossier, 5. Dezember 2016/str 

 



© flickr.com Eva-Maria Voigtel

Spätestens seit Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes (KESR) und der Einrichtung der damit verbunden Behörden, hat in der Öffentlichkeit aber auch in der Fachwelt eine allgemeine Sensibilisierung für den Kindesschutz, für die Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen und für die Notwendigkeit von möglichst frühen Interventionen stattgefunden. Dies schlägt sich einerseits in einem Gesetzesentwurf nieder, der zurzeit im eidgenössischen Parlament hängig ist, es zeigt sich aber auch in diversen praxisbezogenen Leitfäden, Broschüren, Konzepten, die sich an Fachleute richten. Im Folgenden eine Zusammenstellung.

Verschärfung der Melderechte im Kindesschutz - aktueller Stand des Geschäfts im Parlament

Zurzeit ist im Parlament ein Geschäft zur Änderung des Kindesschutzes gemäss Zivilgesetzbuch (ZGB) hängig. Im Gesetzesentwurf geht es darum, die Meldepflicht bei einer Kindeswohlgefährdung auszuweiten. Bereits heute sind Personen in amtlicher Tätigkeit (etwa LehrerInnen oder SozialarbeiterInnen) verpflichtet, bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung Meldung an die Kindesschutzbehörde (KESB) zu erstatten. Neu kämen gemäss dem Gesetzesentwurf auch Fachpersonen zum Beispiel aus den Bereichen Betreuung, Bildung, Religion oder Sport dazu.

Die einzelnen Änderungsvorschläge werden je nach Ausgang der anstehenden Verhandlungen im Nationalrat noch angepasst. Doch wir haben versucht, hier die wichtigsten Punkte in einer Übersicht zusammen zu stellen. Link zur Unterseite

Mit dem Gesetzesentwurf reagiert der Bundesrat auf die Motion Aubert (Josiane Aubert, SP, 09.12.2008, Motion, "Schutz des Kindes vor Misshandlung und sexuellem Missbrauch").


Zum aktuellen Stand des Geschäfts:

Der Nationalrat hat das Geschäft am 26.04.2016 behandelt und ist nicht darauf eingetreten. Der Ständerat hat es am 29.09.2016 behandelt und mit einer Anpassung angenommen. Als nächstes wird sich die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates damit beschäftigen. Der Nationalrat wird das Geschäft - gemäss Auskunft des Kommissionssekretariates - frühestens in der Sommersession 2017 erneut behandeln. Den aktuellen Stand des Geschäftes können Sie hier nachlesen.

Parlament


30. November, 2016 - Das Schweizer Parlament
Geschäft mit der Nr. 15.033: ZGB. Kindesschutz

Unter diesem Link kann man die aktuelle Debatte verfolgen.

Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf

Verschiedene Organisationen haben bis März 2014 zum Gesetzesentwurf im Rahmen einer Vernehmlassung Stellung genommen . Wir haben die wichtigsten gesammelt. 

Stellungnahmen


30. November, 2016 - AvenirSocial Schweiz
Berufsverband: Eine Meldepflicht im Bereich des Berufsgeheimnisses kann kontraproduktiv sein

AvenirSocial findet, dass eine Meldepflicht bei Fachpersonen, die an ein Berufsgeheimnis gebunden sind, kontraproduktiv sein könnte. Eine Meldungspflicht könnte die Vertrauensbeziehung zum betroffenen Kind oder zu Dritten unnötig zerstören.


30. November, 2016 - KOKES
Änderung des Zivilgesetzbuches (Kindesschutz), Meldepflichten/Melderechte

Vernehmlassungsverfahren zum Vorentwurf

Die KOKES lehnt eine allgemeine Meldepflicht für Drittpersonen ab. Bestimmte Fachpersonen hingegen sollen dazu verplichtet werden können. 


30. November, 2016 - Integras
Allgemeine Meldepflicht bei Kindeswohlgefährdung; der Ständerat will die Meldepflicht ausweiten

Integras gibt keine detaillierte Stellungnahme zum Geschäft ab, schreibt jedoch, dass sie das Geschäft verfolgen.

Positiv finden sie die Harmonisierung der Praxis, die angestrebt wird. "Fachpersonen, die in verschiedenen Kantonen tätig sind, würden so nicht mehr unterschiedlichen Regelungen unterstellt. Die Vereinheitlichung würde deshalb auch der Rechtssicherheit dienen." 



30. November, 2016 - SKOS
Vernehmlassungsantwort zum Kindesschutz

Die SKOS begrüsst, dass der Kindesschutz auf nationaler Ebene harmonisiert und gestärkt werden soll. In ihrer Stellungnahme im Rahmen der Vernehmlassung zu den im Zivilgesetzbuch (ZGB) vorgesehenen Änderungen spricht sie sich allerdings für eine Präzisierung der verwendeten Terminologie aus. Sie regt an, dass für alle Fachpersonen, die in der Sozialberatung tätig sind, ein generelles Melderecht gelten soll und darauf zu verzichten, einen im Entwurf nicht klar definierten Teil dieser Fachpersonen einer Meldepflicht zu unterstellen.

Medienartikel

In Medien und Fachpublikationen war der Gesetzesentwurf ebenfalls Thema.

Medien


30. November, 2016 - NZZ Online
Ständerat will Meldepflicht ausweiten

Der Artikel der NZZ zeigt die wichtigsten Änderungen auf und was der Ständerat an der Vorlage ändern möchte.

In einem älteren Artikel geht es um die Ablehung des Geschäfts im Nationalrat.

Erweiterte Meldepflicht bei Verdacht auf Misshandlung (NZZ)


Kindesschutz und Früherkennung - Broschüren, Leitfäden, Handbücher für die Praxis

Zum Thema Früherkennung gibt es bereits heute einige hilfreiche Unterlagen, Broschüren und Fachbücher. Eine kommentierte Sammlung.

Praxishilfen


08. Dezember, 2016 - Rosch, Daniel; Fountoulakis, Christiana; Heck, Christoph
Handbuch Kindes- und Erwachsenenschutz

Recht und Methodik für Fachleute

Das Handbuch will eine Praxisanleitung für Behördenmitglieder, Beiständinnen und Beistände, sowie künftige Fachkräfte im Kindes- und Erwachsenenschutz sein. Rechtliche und sozialarbeitsmethodisch relevante Aspekte in interdisziplinären Teams werden erläutert.



08. Dezember, 2016 - Fountoulakis, Christiana; Affolter-Fringeli, Kurt; Biderbost, Yvo; Steck, Daniel
Fachhandbuch Kindes- und Erwachsenenschutzrecht

Expertenwissen für die Praxis

Das Fachhandbuch Kindes- und Erwachsenenschutzrecht richtet sich an Sozialarbeitende, die in diesem Bereich arbeiten und zum Beispiel eine Beistandschaft übernehmen oder Abklärungen durchführen. Aber auch an Behördenmitglieder einer KESB.

"Behandelt werden alle wesentlichen Gebiete, von den Handlungsprinzipien des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts über die Massnahmen der eigenen Vorsorge (Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung), die gesetzlichen Vertretungsrechte, die behördlichen Massnahmen des Erwachsenen- und des Kindesschutzes (inkl. fürsorgerische Unterbringung), die übrigen Kinderbelange, der interkantonale und internationale Kindes- und Erwachsenenschutz sowie das Verfahrensrecht inkl. Rechtsschutz. Vertiefte Ausführungen finden sich dabei auch zu den oft kaum bearbeiteten Schnittstellenproblemen in Zusammenhang mit benachbarten Rechtsgebieten, wie etwa dem Datenschutz-, Straf- und Erbrecht." (Schulthess Verlag)



30. November, 2016 - BAG, HSLU, Mösch Payot, Peter; Rosch, Daniel
Broschüre "Früherkennung und Frühintervention bei Jugendlichen"

Die Broschüre der HSLU aus dem Jahr 2011 "Früherkennung und Frühintervention bei Jugendlichen" geht auf die rechtliche Situation im Bereich der Schule ein. Sie gibt einen Überblick über Rechtsfragen, die im Verhältnis zwischen Kindern, Eltern, Schule und den verschiedenen Behörden entstehen können.


30. November, 2016 - Kinderschutz Schweiz
Broschüren von Kinderschutz Schweiz

Die Organisation "Kindesschutz Schweiz" hat mehrere Broschüren zum Themenbereich Kinderschutz und Früherkennung herausgegeben. Sie richten sich zum Beispiel je an Ärzte/Ärztinnen, Sozialarbeitende oder Fachpersonen im Frühbereich. Eine weitere Broschüre behandelt die Sexualerziehung bei Kleinkindern und die Prävention von sexueller Gewalt. Weiter gibt es noch eine Broschürenreihe zu gewaltfreier Erziehung.


30. November, 2016 - RADIX
Früherkennung und Frühintervention in Schulen und Gemeinden – das Wichtigste in Kürze

Die Broschüre zeigt in knapper Form auf, was unter Früherkennung und Frühintervention (F&F) in Schule und Gemeinde zu verstehen ist. Sie enthält wichtige Definitionen, einfache Modelle, Checklisten und Erfahrungswerte aus der Arbeit von Radix. Sie richtet sich an Fachpersonen, Projektleitungen, Verantwortliche aus Politik, Schule und Verwaltung, Freizeit und Sport sowie weitere am Thema Interessierte.
(Die gemeinnützige privatrechtliche Stiftung Radix ist ein Kompetenzzentrum für die Entwicklung und Umsetzung von Massnahmen der öffentlichen Gesundheit. Auftraggeber von RADIX sind Bund und Kantone sowie private Organisationen und Unternehmen.)


30. November, 2016 - AvenirSocial Schweiz
Charta Früherkennung und Frühintervention

Wie der Name sagt, ist die im 2016 aktualisierte Charta keine Handlungsanweisung. Es geht vielmehr um eine ausführliche Definition von Früherkennung und Frühintervention wie auch um die Beschreibung einer professionellen Haltung zu diesem Thema.

Pro Sozialcharta Kampagne



30. November, 2016 - KOKES
Praxisanleitung Kindesschutzrecht

Die Praxisanleitung Kindesschutzrecht ist ein praxisorientiertes Nachschlage- und Arbeitsbuch und enthält Arbeitshilfen für die Umsetzung des Rechts in die Praxis. Es geht nicht um Früherkennung oder Frühintervention im engeren Sinne, enthält aber trotzdem wichtige Informationen für diesen Bereich. Es richtet sich in erster Linie an Fachpersonen, die im Kindesschutz tätig sind. Das können Mitarbeiter/innen in KESB, Abklärungsdienste oder Berufsbeistände sein, aber auch weitere Akteure, die sich für Massnahmen und Verfahren im Kindesschutz oder für Fragen im Kindesrecht interessieren (insb. schulpsychologische oder kinderpsychiat rische Dienste, öffentliche und private Sozialdienste, Jugend- und Familienberatungsstellen, Kinderheime, usw.).Das Buch erscheint im März 2017 (Dike Verlag)

Aktuelle Leitfäden und Beratungsstellen in den Kantonen - Zusammenstellung

Auch einzelne Kantone haben nützliche Leitfäden für unterschiedliche Zielgruppen herausgegeben, verfügen über spezielle Kompetenzzentren oder haben ein eigenes Konzept für die Früherkennung entwickelt. Wir haben im Folgenden Leitfäden, Websites und hilfreiche Links zum Thema gesammelt. Die Liste soll laufend erweitert werden.

Kanton Bern


13. Dezember, 2016 - Kanton Bern
Frühzeitig Gefährdungen von kleinen Kindern erkennen

Mit neuen Einschätzungshilfen und einer fachspezifischen Beratung durch die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern steht Hebammen, Kita-Leitenden und weiteren Fachpersonen für Kinder im Alter bis zu fünf Jahren eine Unterstützung zur Verfügung. Der Kanton Bern optimiert damit die bestehenden Angebotsstrukturen und verbessert die Zusammenarbeit zwischen Berufsgruppen.

- Broschüre zum Herunterladen: Früherkennung von Kindeswohlgefährdung im Frühbereich (0–5 Jahre)



29. November, 2016 - Kanton Bern
Was bedeutet Früherkennung von Kindeswohlgefährdung?

Einschätzungshilfen im Frühbereich


29. November, 2016 - BEGES
Schritte der Früherkennung

Leitfaden

Berner Gesundheit zu Früherkennung im Frühbereich:

Kanton Zürich


20. Dezember, 2016 - Kanton Zürich
Neuer Leitfaden für die Zusammenarbeit zwischen Schulen und KESB

Ein neuer Leitfaden informiert über die Aufgaben und die Verantwortlichkeiten, wenn das Wohl eines Kindes gefährdet scheint. Mit diesem Leitfaden soll die Zusammenarbeit zwischen Schulen und der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) unterstützt werden.

- Leitfaden

Geklärte Rollen (NZZ)



13. Dezember, 2016 - Kanton Zürich
Empfehlungen & Zusammenarbeitspapiere

Der Kanton Zürich weist auf dieser Website auf verschiedene Leitfäden und Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Kindesschutz hin.

- Rechtliches Gehör in Kindes- und Erwachsenenschutzverfahren – Leitfaden

- Erreichbarkeit der KESB in dringenden Fällen für die Oberstaatsanwaltschaft, Bezirksräte und Bezirksgerichte

- Einbezug der Gemeinden in kindesschutzrechtliche Verfahren mit erheblichen Kostenfolgen



29. November, 2016 - Stadt Zürich
Infoblatt der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich

Früherkennung in der Schulpraxis

Ausgabe des Infoblatts der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich, Juni 2016

Kanton Freiburg


29. November, 2016 - Kanton Freiburg
Leitfaden für Personen mit Kontakt zu Minderjährigen

Kanton Freiburg

Der Kanton Freiburg hat im November 2015 einen Leitfaden herausgegeben, der sich an Personen in Kontakt mit Minderjährigen wendet.

Kanton St. Gallen


29. November, 2016 - Kanton St. Gallen
Zepra.ch

Auf der Website zepra.info kann man die Broschüre "sicher! Gsund! Kindesschutz und Schule" herunterladen

Die Broschüre "sicher! Gsund! kann man hier herunterladen


Kantone Basel-Stadt und -Land


29. November, 2016 - Kanton Basel-Stadt
Netzwerk Kinderschutz

Basel-Stadt

Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen kommen in allen Schichten und allen Kulturen immer wieder vor, auch bei uns. Ziel des Netzwerks Kindesschutz Basel-Stadt ist die Optimierung der Kinderschutzarbeit zur Sicherung oder Wiederherstellung des Kindeswohls bei Kindern und Jugendlichen, die von einer Misshandlung betroffen sind.




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