Inhalt - Gastbeitrag migesplus.ch 12/17

migesplus.ch - gesundheitliche Chancengleichheit für MigrantInnen fördern. Ein Porträt

Gastbeitrag von migesplus.ch, 05.12.2017 / Katharina Liewald (Text); migesplus.ch (Fotos) 



© migesplus.ch

Die Arbeitsfelder und Einsatzbereiche der Sozialen Arbeit sind vielfältig, ebenso sind es ihre Zielgruppen. In kaum einem anderen Berufsfeld ist die Diversität der Klientel so stark ausgeprägt (und oft sind soziale Problemlagen auch mit einer Beeinträchtigung der Gesundheit verknüpft). Entsprechend anspruchsvoll sind die Herausforderungen an die Fachpersonen.

Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und Gesundheit

Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen sind die Zielgruppe der Sozialen Arbeit. Dass prekäre soziale Lebensumstände auch die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen können ist unbestritten. Ebenso sind es oft gesundheitliche Beeinträchtigungen/Erkrankungen, die zu sozialen Problemlagen führen. Diese Zusammenhänge sind bekannt und mit den Auswirkungen auf die Lebensumstände der Betroffenen werden Sozialarbeitende in ihrem Arbeitsalltag immer wieder konfrontiert.

Menschen mit Migrationshintergrund sind Teil der vielfältigen Klientel der Sozialen Arbeit und sie haben tendenziell ein erhöhtes Risiko für prekäre soziale Lebensumstände. Die Gründe dafür sind vielfältig und meist eng mit der sozialen Lage, dem Bildungshintergrund und den Partizipationsmöglichkeiten im Aufnahmeland verknüpft. Ein Migrationshintergrund allein führt nicht per se zu Benachteiligung: Beispielsweise sind hoch qualifizierte Migrantinnen und Migranten, die beruflich und sozial gut abgesichert/integriert sind, kaum von Benachteiligungen betroffen. Im Verhältnis zur Schweizer Bevölkerung ist der Anteil an Migranten in tieferen sozialen Schichten jedoch höher, sie haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Dies zeigt sich in der Sozialhilfequote, die mit 6,2% deutlich über der Quote der Schweizer Bevölkerung liegt (2,2% gemäss BFS-Sozialhilfestatistik 2015).

Diese Kombination von tiefer sozialer Schicht und Migrationshintergrund, oft verbunden mit belastenden Arbeits-, Wohn- oder Aufenthaltsbedingungen, unzureichenden Sprach- und Systemkenntnissen, kann in der Praxis den Zugang zum Gesundheitssystem gefährden. Hier setzt migesplus.ch - das Portal für Gesundheitliche Chancengleichheit an, welches dazu beiträgt, die Gesundheitskompetenzen von Migrantinnen und Migranten zu stärken sowie das migrationsspezifische Wissen von Fachpersonen zu erweitern. migesplus.ch vereint verschiedene Angebote und Dienstleistungen unter einem Dach und unterstützt Fachpersonen verschiedener Disziplinen bei der Behandlung, Betreuung und Begleitung von sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Dazu gehören nebst Migrantinnen und Migranten mit geringen Sprachkenntnissen auch andere Bevölkerungsgruppen der Schweiz, die sich im Gesundheitssystem nur schwer zurechtfinden.

Das Gesundheitssystem verstehen

Für Menschen mit Migrationshintergrund ist der Zugang zum Gesundheitssystem zwar gegeben, eine Krankenversicherung ist obligatorisch und im Krankheitsfall können Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch genommen werden. In der Realität existieren für Migrantinnen und Migranten jedoch verschiedene Hürden oder Barrieren, die einen chancengleichen Zugang zu diesem System in Frage stellen. Denn das Schweizer Gesundheitssystem ist komplex und oft auch für Schweizerinnen und Schweizer schwierig zu durchschauen. Wie kann man beispielsweise zu einer Prämienvergünstigung bei der Krankenversicherung kommen oder was sind Ergänzungsleistungen? Was ist eine Zusatzversicherung und an wen kann ich mich wenden, wenn mein Säugling an einem Sonntag hohes Fieber bekommt? Wie kann ein Arzt seiner Patienten eine Diagnose erörtern oder eine Ernährungsberaterin Diätempfehlungen bei Diabetes erklären, wenn die Sprachkenntnisse der Patienten nicht ausreichen, um komplexe medizinische Zusammenhänge zu verstehen? Hier setzt das Angebot von migesInfo.ch an, der zentralen Bezugsquelle für mehrsprachige Gesundheitsinformationen von verschiedenen Herausgebern. Broschüren, Merkblätter oder Videos können auf migesInfo online bestellt oder heruntergeladen werden. Der Gesundheitswegweiser Schweiz, den das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit herausgibt, ist das erfolgreichste Beispiel. Die Broschüre erklärt das Gesundheitssystem der Schweiz und ist in 18 Sprachen gratis erhältlich. Fachpersonen können diese Publikationen unterstützend in Beratungsgesprächen abgeben oder Ihr Klientel auf die Bezugsquelle hinweisen.

Hintergrundwissen zu Migration und Gesundheit

Auf migesExpert.ch stehen Fachpersonen aus Medizin und Sozialer Arbeit praxisnahe Informationen und Tools zur Verfügung, die sie bei der Behandlung oder Betreuung ihrer Klientel unterstützen. Die Webseite bietet Hintergrundinformationen zu den Zusammenhängen zwischen Migration und Gesundheit und liefert Antworten auf folgende Fragen:
- Wie kann Kommunikation mit Patienten/Klientinnen gelingen, wenn die Sprachkenntnisse fehlen?
- Welche migrationsspezifischen Aspekte sollten bei Patienten-/Klientengesprächen beachtet werden?
- Was muss ich als Fachperson in Bezug auf Aufenthaltsstatus und Sozialversicherung wissen?

Professioneller Umgang mit Vielfalt

Die gesellschaftliche Vielfalt der Bevölkerung der Schweiz erfordert einen professionellen Umgang und spezifische Kompetenzen auf Seiten der Fachpersonen. Transkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, anderen Menschen in ihrer individuellen Lebens- und Gesundheitssituation vorurteilsfrei begegnen zu können. Hintergrundwissen, Selbstreflexion und Empathie sind wichtige Grundlagen der Transkulturellen Kompetenz. Das SRK bietet dazu verschiedene Bildungsangebote für Fachpersonen und Freiwillige, Beratung und Begleitung für Institutionen, die sich dieser Vielfalt öffnen wollen, Unterrichtsunterlagen für Lehrpersonen und Wissenswertes für Interessierte zu diesem Thema.

Informationen zu Traumatisierungen

Diese neue Webseite des SRK für Betreuende, Lehr- und Begleitpersonen von traumatisierten, jungen Geflüchteten wurde aufgrund einer grossen Nachfrage in Bezug auf spezifische und adäquate Informationen entwickelt. Sie bietet eine Übersicht zu verschiedenen Angeboten der Therapie, Beratung und Begleitung in der Schweiz, Hintergrundwissen zur Thematik der Traumatisierung sowie Informationen zu Weiterbildungen und Veranstaltungen.

Vulnerable Zielgruppen besser erreichen

Dazu vernetzt migesMedia die in der Schweiz produzierten/herausgegebenen Medien der Migrationsbevölkerung mit Institutionen der Gesundheitsversorgung und schafft damit wirksame Kommunikationskanäle und Zugangswege zur Migrationsbevölkerung der Schweiz. Gesundheitskampagnen, Präventionsbotschaften oder Informationen zu sozialen Themen können auf diesem Weg Migrantinnen und Migranten in ihrer jeweiligen Herkunftssprache erreichen und so dazu beitragen, dass auch schwer erreichbare Zielgruppen den Angeboten der Gesundheitsförderung und Prävention profitieren können.

Alter, Migration und Gesundheit

Auch in den Institutionen der Altersversorgung gehört eine wachsende Vielfalt der Klientel zu den Herausforderungen im Arbeitsalltag der Fachpersonen. Migrantinnen und Migranten kommen langsam aber stetig ins Pensionsalter und verbringen ihren Lebensabend – oft entgegen ihrer ursprünglichen Vorstellung - in der Schweiz. Das Nationale Forum Alter & Migration engagiert sich mit Öffentlichkeits-, Bildungs- und Grundlagenarbeit für die Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Situation älterer Migrantinnen und Migranten in der Schweiz. Fachpersonen aus dem Altersbereich sollen so für die Biografien und Lebensumstände der älteren Migrationsbevölkerung sensibilisiert werden.

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